Solovki
Seminar
zur Entstehung des sowjetischen Lagersystems
mit anschließender Exkursion zum Belomorkanal und
auf Solovki
Idee
Thema
Durchführung
Ziel
Programm
ein
Projekt des
Lehrstuhls für osteuropäische Geschichte
an der Europa Universität Viadrina,
des Berliner Fördervereins Memorial St. Petersburg
e.V.
sowie
des Bildungs- und Informationszentrums Memorial St. Peterburg
Idee
Auf
den Spuren des GULag
Deutsche,
polnische und russische Studenten begeben sich gemeinsam
im Norden Russlands auf die Suche nach Spuren des sowjetischen
Lagersystems GULag. Nachdem sie sich an der Viadrina in
Frankfurt (Oder) bzw. im St. Petersburger Bildungs- und
Informationszentrum "Memorial" im Rahmen eines
vorbereitenden Seminars in den aktuellen Forschungsstand
zur Enstehung des GULag eingearbeitet haben, greifen sie
einzelne Aspekte zum Bau des Belomorkanals (Weißmeer-Ostsee-Kanals)
sowie zur Errichtung und Ausbau des SLON (Spezial-Lager
besonderer Bestimmung) heraus, um diese für eine gemeinsame
Exkursion zu erarbeiten. Auf der Fahrt, die vom Ausgangsort
des Kanalbaus in Medvezhegorsk bis zu den nördlichsten
Punkten des Archipelag der Solovkiinseln führt, sollen
die so gewonnenen Erkenntnisse den anderen Teilnehmern vorgestellt
und mit ihnen diskutiert werden. Parallel zu Seminar und
Exkursion wird ein Internetportal zu Geschichte und Gegenwart
der Solovki eingerichtet, welches im Zuge der Auswertung
mit allen studentischen Arbeiten gefüllt wird.
Thema
Belomorkanal
und SLON als exemplarische Orte
Dabei
sollen die Formen der historischen Aufarbeitung und deren
Verarbeitung thematisiert und die Spezifik von Quellen, wie
Dokumentationen, Erinnerungen und Berichten, erörtert
werden und im Folgenden der Stellenwert von SLON in der Genese
des Systems erklärt und die spezifische Bedeutung des
Belomor-Kanal-Baus erörtert werden. Ziel ist es, die
Besonderheit des sowjetischen Lagersystems im Vergleich zu
anderen, v.a. den nationalsozialistischen Lagern herauszuarbeiten
und die kulturellen Formen der Vermittlung und Propagierung
des Lagersystems in der Sowjetunion aufzuzeigen sowie die
Auswirkung der Lagerwelt auf die "freie", die Welt
außerhalb, unter sozialen, kulturellen, mentalen und
sprachlichen Gesichtspunkten zu analysieren. Besonderes Gewicht
beim Erarbeiten der gesamten Thematik soll der Rolle des GULag
für die Disziplinierung und Ausbeutung von nicht-sowjetischen
Personen und Gruppen, vor allem von polnischen und deutschen
Zivilpersonen, Kriegsgefangenen und anderen beigemessen werden.
Weiterhin soll die Bedeutung des Lagersystems für die
Ausprägung des Fremdbildes von der sowjetischen Welt
erörtert werden. Während der Exkursion soll anhand
der vorhandenen Museen und Gedenkstätten der gesellschaftliche
Umgang mit der sowjetischen Lagergeschichte beobachtet und
analysiert werden.
Durchführung
Drei
Perspekiven treffen vor Ort aufeinander
Das
St. Petersburger Bildungs- und Informationszentrum "Memorial"
ist seit Jahren mit der Erschließung von Quellen zu
sowjetischen Lagern im Nordwesten Rußlands beschäftigt.
Venjamin Joffe und Ekaterina Reznikova widmen sich neben der
historiographischen Arbeit den jugendlichen Mitgliedern des
Geschichtsklubs, die zu einzelnen Aspekten der Geschichte,
wie zum Beispiel den Leningrader Gefängnissen arbeiten.
Während
sich der Petersburger Geschichtsklub mit der GULagthematik
tagtäglich auseinandersetzt, ist die Perspektive vieler
polnischer und deutscher Viadrinastudenten viel distanzierter.
Im Rahmen des in Frankfurt (Oder) unter der Leitung von Prof.
Karl Schlögel und Dr. Gabor Rittersporn stattfindenden
Hauptseminars sollen sie den Diskussionsstand in der GULag-Forschung
erarbeiten, referieren und diskutieren. Dabei sollen sowohl
die Standardwerke berücksichtigt werden, als auch die
Fülle jüngster historiographischer Arbeiten, die
durch neue Quellen und die konzentrierten Anstrengungen vieler
Forscher innerhalb und außerhalb der Russischen Föderation
entstanden sind. Jeder der teilnehmenden Viadrinastudenten
wird ein Thema vertiefend behandeln und seine Thesen in einem
Referat darstellen. Während des Seminars sollen auch
mögliche Unterschiede in der polnischen und deutschen
Sichtweise auf den GULag erörtert werden. Dabei werden
die bestehenden Kontakte zu Karta in Warschau von Nutzen sein.
Auf
der russischen Seite greifen sich die Mitglieder des St. Petersburger
Geschichtsklubs im Vorfeld der Exkursion einen Aspekt des
Belomorkanals oder des SLON heraus, um ihn eingehender zu
erschließen. Während der Exkursion im August 2001
sollen die unterschiedlichen Perspektiven vor Ort referiert
und im Zusammenhang mit den unterwegs getätigten Beobachtungen
diskutiert werden. Die so gewonnenen Erkenntnisse hält
jeder Teilnehmer in einer schriftlichen Arbeit fest, die im
Anschluss über das eigens eingerichtete Internetportal
zugänglich gemacht werden.
Ziel
Die
Einheit von Theorie und Anschauung
Ziel
des Projektes ist es, die Etablierung neuer Formen des lehrenden
Forschens und der forschenden Lehre voranzubringen. Das Seminar
schließt die Exkursion systematisch ein. Sie ist weder
Belohnung, noch Ausflug oder Urlaub, sondern der Höhepunkt
der intellektuellen Anstrengungen, das umrissene Thema zu
erschließen. So soll die Kluft von theoretischem Wissen,
praktischer Anschauung und reeller Kenntnis von vornherein
überwunden werden. So sollen die Geschichtsorte aufgesucht
und erkundet werden - geschichtliche Vorgänge finden
nicht im leeren Raum und nicht allein in der Zeit , sondern
in der Einheit von Raum und Zeit, an einem bestimmten Ort
und in einer bestimmten Konstellation statt. Es geht darum,
diese im wahrsten Sinne des Wortes zu erfahren. Bei der so
gewonnenen Anschauung ist nicht die Psychologie des Eindrucks
entscheidend, sondern der systematische Stellenwert der Erfahrungen.
Darüber
hinaus soll durch die Begegnung russischer, polnischer und
deutscher Studenten eine besonders intensive Auseinandersetzung
angeregt werden, da das Kennenlernen und Verstehen der anderen
Sichtweise auf das Thema einen gemeinsamen Lernprozess stimuliert.
Dieser gibt den Jugendlichen die Möglichkeit, einander
besser kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und eine gemeinsame
Sprache zu finden.
Mit
der Einrichtung eines Internetportals zu Solovki wird die
Insel selbst präsentiert und damit auch ein bescheidener
Beitrag zur Gegenwart ihrer Bewohner geleistet.
Programm
Exkursion
1. - 15. August 2001
1.
August
- Ankunft
in Petersburg
- Empfang
im Bildungszentrum von Memorial
- Kennenlernen
der Teilnehmer
- Programmbesprechung
und Stadtbesichtigung
- Übernachtung
in Jugendherberge.
2.
August
- Archivbesichtigung
bei Memorial
- einführendes
Seminar
- Erfahrungsaustausch
über vorbereitende Arbeiten
- abends
Abfahrt nach Medwezhegorsk
3.
August
- Ankunft
in Medwezhegorsk
- Besichtigung
der Stadt und der Direktionsbauten des Belomorkanals
- Führung
durch das Stadtmuseum
- Treffen
mit Nachfahren von GULag-Opfern
- die
auf Solovki inhaftiert waren und 1937 in Sandarmochy erschossen
wurden
4.
August
- Besichtigung
des ersten Abschnitts des Weissmeerkanals
- Fahrt
auf einem Transportschiff zur 4. Schleuse
- Besichtigung
der 4. Schleuse
- Rückkehr
nach Medwezhegorsk
5. August
- Gedenktag
für die Opfer politischer Repressionen
- Morgens
Fahrt nach Sandarmochy
- Gedenkfeier
mit russischen, ukrainischen, polnischen und deutschen Nachfahren
der dort erschossenen Häftlinge
- Mitternacht
Weiterfahrt nach Kem
6.
August
- Überfahrt
auf Solowki
- Beziehen
des Quartiers
- Einführung
zur Geschichte der Insel
7. August
- Gedenkveranstaltung
für die Häftlinge des SLON
- Führung
durch den Kreml
- Besichtigung
des Museums
- Erörterung
der Klostergeschichte
- Treffen
mit Abt des Klosters
8. August
- Rundfahrt
über die Hauptinsel
- Besichtigung
des Botanischen Gartens und der Sikernaja Gora
- Treffen
mit Brodsky
- Abends
Bania
9. August
10.
August
11.
August
12.
August
- Besichtigung
des Einsiedelei, des Brunnens
13.
August
- Rückkehr
auf die große Insel, Auswertung
14.
August
- Rückkehr
nach Petersburg.
15.
August
|