|
FORMEN DES WIDERSTANDES IN DEN SOLOVECKER LAGERN FÜR
BESONDERE BESTIMMUNG (SLON)
Manuela
Putz
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG
Forschungsstand
und Fragestellung
Die Erforschung
des Lagersystems in der Sowjetunion stellt noch immer einen
der berühmten "weißen Flecken der Geschichtsschreibung"
dar. In der historischen Forschung gibt es zum gegebenen Zeitpunkt
noch keinen Gesamtüberblick über das sowjetische
Lagersystem. Nicht einmal im regionalen Bereich ist es zum
gegebenen Zeitpunkt möglich, eine Gesamtdarstellung für
den GULAG in den einzelnen Regionen zu verfassen. Das Auftreten
von Widerstand in sowjetischen Straflagern ist demzufolge
ebenfalls kaum erforscht. Lediglich einige Spezialuntersuchungen
zu den Gefangenenaufständen in den 50er Jahren liegen
zu bestimmten Lagerkomplexen vor sowie einzelne Arbeiten zum
Widerstand der Regimegegner in den Politlagern der Stalinzeit.
Zweitere wurden in der Regel von den regionalen Abteilungen
der Menschenrechtsorganisation Memorial in Zusammenarbeit
mit den lokalen Universitäten herausgegeben. Zu den Straflagern
auf den Solovecker Inseln gibt es ausreichend literarische
Berichte und einige Studien. Das Thema Widerstand wurde aber
nicht speziell aufgegriffen und es sind keine Arbeiten zu
diesem Thema zu verzeichnen.
Die vorliegende
Arbeit stellt es sich zur Aufgabe anhand einer Mikrostudie
des Solovecker Lagers für besondere Bestimmung nachzuzeichnen,
ob und welche Formen des Widerstandes möglich waren.
Es wird geklärt, unter welchen spezifischen äußeren
und inneren Bedingungen verschiedene Formen des Widerstandes
überhaupt erst auftreten konnten.
Die vorliegende
Arbeit sieht sich als Werkstattskizze, in der in erster Linie
Daten zusammengetragen wurden, eingeordnet und auf deren Inhalt
und deren Haltbarkeit überprüft wurden. Sie dient
als Datenbasis für weitere Forschungen auf diesem Gebiet,
wobei es notwendig ist, angrenzende Wissenschaftszweige wie
die Sozialwissenschaft und Kulturwissenschaft in die weitergehende
historische Forschung mit einzubeziehen um das Phänomen
Widerstand in seiner Ganzheit zu erfassen.
Erstrebenswert
wäre die Anfertigung weiterer Spezialuntersuchungen zu
den sowjetischen Straflagern zu verschiedenen Zeitpunkten
der Existenz des Lagersystems um Schlüsse auf das Verhältnis
zwischen der Entwicklung der Straflager und dem Auftreten
von spezifischen Formen des Widerstandes zu ziehen. So kann
man vorwegnehmen, dass die einzelnen Entwicklungsphasen des
Lagersystems, der sich verändernde "Zweck"
und "Ziel" der Straflager eine große Wirkung
auf die Art des Widerstands hatten, genauso wie die Folgen
des Zweiten Weltkrieges und die zunehmenden Nationalitätenkonflikte
nach dem Zweiten Weltkrieg Einfluß auf die Form des
Widerstandes nahmen. Die späteren Gefangenen-aufstände
zu Ende der Stalinzeit sind in den Lagern der 20/30er Jahre
in der Form nicht vorstellbar.
Die Arbeit
gibt in einem einführenden Teil Auskunft zur Forschungs-
und Quellenlage, zur Geschichte des Solovecker Lagers zur
besonderen Bestimmung und zu den Merkmalen bzw. Charakteristika
des SLON in seinen Anfängen bis 1928/29. In einem zweiten
Teil werden die Formen des Widerstandes untersucht und nach
jedem Punkt ein Fazit über die bisherigen Forschungsergebnisse
gezogen. Die Arbeit schließt mit einer kurzen Zusammenfassung.
Bei der
Umschrift der russischen Namen und Termini wurde die wissenschaftliche
Transkription verwendet. Die Übersetzungen aus dem Russischen
wurden ohne Ausnahme von der Autorin angefertigt.
Zur
Quellenlage
Die Quellenlage
zur Erforschung des sowjetischen Lagersystems ist aus mehreren
Gründen als unzureichend einzuschätzen. So sind
zwar die wichtigsten russischen Archive seit der Perestroika
geöffnet, jedoch ein Teil der Akten lagert immer noch
in verschlossenen Archiven, ein anderer Teil wiederum wartet
in regionalen Archiven auf Entdeckung und Auswertung. Die
Aussagekraft des Archivmaterials zum Thema Widerstand in sowjetischen
Straflagern ist zudem lückenhaft und gibt, wenn überhaupt,
nur verzerrt wieder, was passiert sein könnte. Dies läßt
sich auf die ideologischen Besonderheit des totalitären
sowjetischen Systems zurückführen und bezieht sich
in unserem Fall in erster Linie auf das Kräfteverhältnis
zwischen der Solovecker Lagerverwaltung und der Moskauer Zentrale.
Auf der einen Seite hatte die Lagerverwaltung gute Gründe
auch intern Fluchtversuche, Aufstandsversuche etc. zu verschweigen,
da die Moskauer Zentrale derartige Vorfälle nur allzu
leicht als Versagen seitens der Solovecker Lagerverwaltung
interpretieren konnte. Auf der anderen Seite gab es seitens
der Zentrale auch immer wieder angeordnete Vorgaben (Kontingente
etc.), die in jedem Fall zu erfüllen waren, ungeachtet
der realen Umstände. Oft blieb der Lagerverwaltung keine
andere Wahl, als Sachverhalte in der Form darzustellen, wie
sie von der Zentrale gesehen werden sollte und nicht, wie
es den Tatsachen in den Lagern entsprach. Dies erschwert dem
Historiker heute die Arbeit bei der Auswertung der sowjetischen
Dokumente, insbesondere bei der Erforschung der Themen, die
nicht ins ideologische Bild paßten. Dazu ist das Thema
"Widerstand in sowjetischen Lagern" zu zählen.
Die vorliegende
Arbeit stützt sich in erster Linie auf literarische Quellen
wie Memoiren, Tagebucheintragungen, Erinnerungen und Zeitungsartikeln
und nicht auf Archivdokumente. Die Autorin hatte keine Möglichkeit
in russischen Archiven zu forschen. Die in den schriftlichen
Quellen genannten Daten (Namen, Datum, Ortsangaben) und dargelegten
Fakten konnten aus diesem Grund nicht mit Archivdokumenten
verglichen werden, was in manchen Fällen mit größter
Wahrscheinlichkeit zu einem anderen Ergebnis geführt
hätte (siehe z.B. Punkt 2.1.1.1).
Die meisten
Erinnerungen wurden im Tamisdat herausgegeben da es aus offensichtlichen
Gründen nicht möglich war, sie in der Sowjetunion
zu publizieren. Nur zu oft wurden sie mit der Intention geschrieben,
die westliche Welt auf die Vorgänge in der Sowjetunion
aufmerksam zu machen und legten ihren Schwerpunkt auf die
Beschreibung der Greueltaten der Täter und nicht auf
die Wiedergabe des Alltags in den sowjetischen Lagern. Dies
bezieht sich sowohl auf die Veröffentlichungen in den
20er Jahren (z.B. Mal'sagov oder Bezonov ) als auch auf die
Werke der 50er Jahre (beispielsweise Rozanov ). Bei den in
den Jahren 1938 und 1939 in Deutschland veröffentlichten
Publikationen ist besondere Vorsicht geboten da sie bereits
von der Kriegspropaganda gegen die Sowjetunion gezeichnet
sind. Es ist vollkommen unklar, in wie weit die russischen
Manuskripte von den Übersetzern und Herausgebern manipuliert
worden sind.
Es ist
ebenfalls zu unterscheiden zwischen Erinnerungen, die während
der Inhaftierung aufgezeichnet worden sind oder kurz danach
(siehe u.a. die Solovecker Aufzeichnungen Lichacevs oder die
Fluchtberichte derer, die über die finnische Grenze fliehen
konnten) im Gegensatz zu denen, die erst Jahre später
von den Autoren rückblickend verfasst worden sind (Lichacev's
"Erinnerungen" und andere). Natalia Kouziakina verweist
in ihrer Publikation "Theatre in the Solovki Prison Camp"
auf das Zitat Lichacevs, das die Schwierigkeit bei der Rekonstruktion
der Erinnerung anschaulich verdeutlicht: "Recalling now
what happened 60 years ago, I come to the conclusion that
what is most difficult is to restore the date of this or that
event. In my mind's eye I clearly see people, visualize their
faces and the features if nature surrounding the Solovetsky
Monastery, the platoons, I can hear the roll-calls, the crackling
of rifle fire as people are shot, I recollect conversations,
but to arrange them all in chronological order is most difficult.
As if my memories keeps photographic and audio records of
events and converstations, but all in disarray".
Ein weiteres
Problem bei der Auswertung von sowjetischen Lagererinnerungen
ist der Umstand, dass die Autoren um die von ihnen beschriebenen
Personen zu schützen oft weder volle Namen noch genaue
Beschreibungen aufgezeichnet haben. Die dargestellten Personen
bleiben somit gesichtslos und die unverfänglichen Abkürzungen
der Namen und Orte sind oftmals schwer zu entschlüsseln.
Die Solovecker Aufzeichnungen Lichacevs wurden teils auf den
Solovki, teils kurz nach der Entlassung in einem gesonderten
Heft verschlüsselt geschrieben und von seinen Eltern
aus dem Lager geschmuggelt. Die ersten Seiten des Heftes jedoch
wurden herausgerissen, um die dort erwähnten Personen
nicht in Schwierigkeiten zu bringen . Auch bei den Zahlenangaben
ist sehr oft höchste Vorsicht geboten. Oftmals begründen
sie sich nur auf Gerüchte und kehren unverhältnismäßig
oft wieder, wie dies im Falle der Solovecker Lager auf die
Zahl 300 zutrifft . Dies bedeutet schlicht, dass es nicht
viele, aber auch nicht wenige gewesen seien und hat oft wenig
mit der tatsächlichen Anzahl an Personen zu tun.
THEMATISCHE
EINFÜHRUNG
1.1
Was ist Widerstand im Lager? - Versuch einer Arbeitsdefinition
Was Widerstand
ist, läßt sich sehr schwer fassen und beschreibt
menschliches Handeln zwischen Tun und Unterlassen. Die Bandbreite
der Phänomene, die in Form von offenem Widerstand, als
Sich - Wehren gegen die Art und Weise der Behandlung, als
Resistenz oder schlichtweg als Überlebensstrategie auftreten
ist sehr groß.
Als Arbeitsdefinition
wurde von meiner Seite Widerstand wie folgt festgelegt: Jegliche
Form von aktivem Handeln gegen Befehle der Machthaber (in
unserem Falle die Lageradministration etc.) sowie Nichteinhaltung
der von den Machthabern aufgestellten Regeln und aktives Unterlassen
und Nichtausführung von Handeln, das von den Machthabern
angeordnet worden ist. Von unserer Position ist es aus den
Quellen ohnehin schwer abzuschätzen, ob Widerstand im
eigentlichen Sinne geleistet wurde oder nicht - nur zu oft
ist uns die Intention, die zum Widerstand der handelnden oder
unterlassenden Person führt unklar.
Selbst
nach genauerer Betrachtung der Herkunft und des Lebensweges
des Einzelnen können wir nur interpretieren, ob er aus
religiösen, politischen oder anderen Überzeugungen
dazu bereit war, Widerstand zu leisten oder schlichtweg den
Widerstand als die einzige Möglichkeit sah, um sein Überleben
zu sichern. Aber nicht nur sein Leben, auch sein Freitod -
von ihm selbst gewählt und nicht von den Machthabern
aufoktroyiert, kann im Rahmen der o. g. Arbeitsdefinition
als eine Form von Widerstand gelten, vorausgesetzt man hat
sich aktiv zu diesem Handeln entschlossen.
Diese
breite Definition läßt auch die Erfassung von Grauzonen
zu und ermöglicht dem Lesern selber ein Urteil zu bilden,
in dem es die Phänomene beschreibt und nicht von vornherein
ausschließt. Es vermag außerdem ein authentischeres
Abbild der Realität zu liefern indem es den Handlungsrahmen
aufzeigt, der auch in auch in totalitären Systemen zweifellos
vorhanden war - selbst in den streng bewachten Mikrokosmen
der Lager.
Im Mikrokosmos
der Lager unterscheidet sich der Status und die Rechte der
einzelnen Häftlingskategorien untereinander, es macht
in manchen Fällen Sinn, die Formen des Widerstandes je
nach Personengruppe zu untersuchen (z.B. Polithäftlinge,
Verbrecher etc.). Ausschlaggebend bei der Betrachtung ist
auch der Zeitrahmen, also das Jahr bzw. Jahrzehnt der Inhaftierung.
Sowohl
das sowjetische Lagersystem als auch die Rechte der Inhaftierten,
die Zusammensetzung der Lagerbevölkerung etc. variieren
stark nach Zeitraum. Das Lagersystem macht seit seinen Anfängen
1922/23 unter der Herrschaft Lenins bis zur Ende der Stalinzeit
1953/54 mit den großen Lageraufständen eine ungeheure
Entwicklung durch, die im Grunde genommen erst mit der Perestroika
und der Auflösung der sowjetischen Politlager ihr Ende
findet. Das Ende bezieht sich in erster Linie auf die Inhaftierungen.
Die Standorte, Gebäude etc. wurden oft weiterhin zu Isolationszwecken
verwendet und auch heute findet sich in der Russischen Föderation
rechtlich die Unterscheidung zwischen Gefängnis- und
Lagerhaft.
1.2
Die SLON - Solovecker Lager für besondere Bestimmung
Die ersten
Lager der "Nördlichen Lager zur besonderen Bestimmung"
entstanden im Jahre 1921 am Standort bereits bestehender Konzentrationslager
auf dem Festland in Pertominsk, Cholmogory und in der Nähe
von Archangelsk . Später wurden Lager in Kem' und auf
den Soloveckij Inseln eingerichtet. Erst mit der Umsetzung
der Hauptverwaltung (USLON) aus Archangelsk auf die Große
Soloveckij Insel im Jahre 1923 spricht man von den Solovecker
Lagern für besondere Bestimmung. Die gut funktionierende
Klosterwirtschaft und deren Infrastruktur sowie die Abgeschiedenheit
vom Festland waren ausschlaggebend für die Wahl des Standortes.
Die Häftlinge, die auf den Soloveckij Inseln interniert
werden sollten, wurden per Zug auf der Bahnstrecke St. Petersburg
- Murmansk bis zur Station Kem' gebracht und sammelten sich
im Kemperpunkt (Kemer Transitpunkt) um danach per Schiff vom
Festland auf die Insel übergesetzt zu werden. Je nach
Häftlingskategorie und Geschlecht wurden sie dort in
den Klostergebäuden und Einsiedeleien untergebracht.
Es ist
nicht die Aufgabe der vorliegenden Arbeit sich mit der Geschichte
des sowjetischen Lagersystems als Ganzes zu beschäftigen,
wenn bestimmte Zäsuren (beispielsweise hervorgerufen
durch Reformen des Systems) auch immer Einfluß hatten
auf das Auftreten spezifischer Formen von Widerstand. Eine
detaillierte Darstellung würde den Rahmen dieser Arbeit
sprengen. Es läßt sich jedoch nicht vermeiden,
den Leser zumindest in Bezug auf die Geschichte der SLON auf
eine grundlegende Zäsur aufmerksam zu machen. Denn der
"Große Umbruch - Bol'oi Perelom" in
der Sowjetunion machte sich auch auf den Solovki bemerkbar
und kann als entscheidender Wendepunkt verstanden werden.
Der Besserungsarbeitsgedanke,
der in der ersten Hälfte der 20er Jahre im Vordergrund
stand, trat immer mehr in den Hintergrund und wurde verdrängt
durch den Glauben an die volkswirtschaftliche Bedeutung der
Zwangsarbeit. Dies führte zu einer schlagartigen Ausbreitung
des Lagersystems auf dem Festland. Diese neu entstandenen
Lager im Gebiet der gesamten Sowjetunion sind bereits dem
Typus der Stalinschen Lager zu zuschreiben. Das Lager auf
den Soloveckij Inseln mit seinem Schwerpunkt auf Isolation
der Häftlinge verliert in diesem Zusammenhang zunehmend
an Bedeutung. Neue Unternehmungen wie beispielsweise der Bau
des Weißmeerkanals oder des Weißmeerkombinates
(BBK) werden in den 30er Jahre in Angriff genommen und beschäftigen
Tausende von Häftlingen. Das Lager auf den Inseln wird
1937 aufgelöst und umgewandelt in das Solovecker Gefängnis
für besondere Bestimmung.
Da sich
die vorliegende Arbeit in erster Linie mit den anfänglichen
Jahren der Solovecker Lager beschäftigt, soll sich der
Leser im folgenden Kapitel mit den Charakteristika der SLON
vertraut machen. Erst durch die Kenntnis der Merkmale der
"frühen Solovki" kann die thematische Brücke
zum eigentlichen Thema des Widerstandes auf den Solovki geschlagen
werden.
1.3.
"Hier endet die sowjetische Macht, hier beginnt die Solovecker
Macht" - Merkmale und Charakteristika der SLON in ihren
Anfängen 1923-1928/29
In den
frühen SLON ist die Existenz eines fast rechtsleeren
Raumes zu konstatieren, eines Raumes, in denen die Gesetze
erst geschrieben werden müssen. "Was die besondere
Verwendung zu bedeuten hatte, war noch nicht beraten, durch
die Instruktionen nicht fixiert. Dem Lagerkommandanten der
Soloveckij Inseln, Eichmans, wird man es auf der Ljubjanka
mündlich erklärt haben. Und er gab es, auf der Insel
eingetroffen, an seine nächsten Gehilfen weiter."
, schreibt Solschenizyn in seinem "Versuch einer künstlerischen
Bewältigung" über die Solovki und hebt noch
einmal vor, wie wenig fixiert das System zu dieser frühen
Zeit des Lagersystems war: "[...] sie zeigen, wie lose
das Solovecker Regime noch war, wie wenig vom System umpanzert.
Man meint, in der Luft der Solovki eine seltsame Mischung
von äußerster Härte und einer fast gutmütigen
Ratlosigkeit zu spüren: Worauf läuft das hinaus?"
Folgende
Merkmale sind für die erste Hälfte der 20er Jahre
bezeichnend:
1) Der
Isolationsgedanke
Gleichsam
der Konzentrationslager der frühen 20er Jahre steht auch
in den SLON der Isolationsgedanke an erster Stelle. Dies gilt
im besonderen für die politischen Häftlinge, die
von 1923-25 auf den Inseln interniert wurden (siehe Punkt
2.1). Der Isolationsgedanke in den Anfängen der SLON
läßt sich vielleicht auch darauf zurückzuführen,
dass sich die bolevistische Herrschaft erst in ihrer
Konsolidierungsphase befand und noch keine bessere "Lösung"
im Umgang mit ihren vermeintlichen Gegnern gefunden hatte
als deren Isolation.
2) Der
Besserungsarbeitsgedanke und die "Umschmiedung"
(Perekovka)
Im Sinne
der kommunistischen Ideologie ging es den Machthabern vor
allem darum, ein neues, moderneres Gesellschaftssystem zu
entwickeln - die sowjetische Gesellschaft und den Sowjetmenschen.
Ihr Rezept dazu war teilweise nicht die physische Ausmerzung
der Gegner, sondern Umschmiedung des Feindes um ihn an das
"Neue", das "Bessere" glauben zu machen.
Nicht die Wirtschaftlichkeit der Zwangsarbeit stand im Vordergrund,
sondern die Erkenntnis, dass mit Hilfe der Arbeit der Mensch
zu einem besseren, "sowjetischen" Menschen werden
sollte. Aber nicht nur Arbeit, sondern auch Kultur und Bildung
standen als Mittel zur Durchsetzung dieser Ideale hoch im
Kurs. Neben all der Grausamkeiten läßt sich eine
gewisse Freizügigkeit in den ersten Jahren der SLON erkennen.
Zwei Lagerzeitungen können erscheinen, die Gesellschaft
für Landeskunde wird gebildet und das Solovecker Lagertheater
steht in seiner Blüte. Diese Erscheinungen verlieren
an Bedeutung wenn man sich vergegenwärtigt, dass sie
rein programmatische Erscheinungen sind und von den Machthabern
initiiert oder zumindest begrüßt wurden.
Von offenem
Widerstand kann keine Rede sein, aber den Häftlingen
standen in dieser anfänglichen Periode von 1923-1926
noch Lücken und Nischen zur Verfügung, um sich beispielsweise
durch künstlerische Betätigung ihre Menschlichkeit
zu bewahren - ne prevracat' v skotinu (sich nicht in
Vieh zu verwandeln). Die Beurteilung dieser Phänomene
fällt ambivalent aus: Einerseits werden die Akteure der
Lagerzeitungen und des Theaters der Kollaboration mit der
Macht beschuldigt , auf der anderen Seite kann man es als
Versuche sehen, das Lager durch künstlerische Betätigung
erträglicher zu machen und ein Gefühl der Stärke
und Resistenz im Gegensatz zur "ungebildeten" Lageradministration
zu vermitteln. Meines Erachtens würde es sich lohnen,
diesen zweiten Gedanken zumindest nicht von vornherein auszuschließen
um ihn in zukünftigen Forschungen genauer unter die Lupe
zu nehmen nach Fragestellungen der Elemente von Resistenz.
In der vorliegenden Arbeit kann dies leider nicht geleistet
werden.
3) Die
Zusammensetzung der Lagerbevölkerung
In den
ersten Jahren befanden sich in den Lagern auf den Soloveckij
Inseln in erster Linie drei Häftlingskategorien: Politische
Häftlinge, sogenannte "Konterrevolutionäre"
und Verbrecher. Als eigene Kategorie kann man vielleicht noch
die "Religiösen" bezeichnen, die ebenfalls
vorzugsweise auf den Solovki isoliert wurden. Die Verbrecher
finden sich erst ab Mitte der 20er Jahren vermehrt auf den
Solovki ein, was bedeutet, dass sich in den Anfangsjahren
insbesondere politische Häftlinge (bis rund 500 Vertreter)und
Vertreter der Intelligenzija auf der Insel befanden. Die Haftzeit
betrug meist zwischen ein bis drei Jahre, konnte danach aber
verlängert werden.
4) Die
SLON als sozialistisches Experiment
Die frühen
SLON zeichnet sich durch ihren experimentellen Charakter aus.
Die Häftlinge der SLON waren sozusagen die Versuchskaninchen
des Lagersystems - alles war später folgte, war auf der
Erfahrung der SLON aufgebaut und wurde im Zuge der weiteren
Ausdehnung des Lagersystems auf die gesamte Sowjetunion institutionalisiert
und normiert. Jurij Brodskij unterstreicht diese Vorreiterfunktion
der SLON "die Solovecker Lager für besondere Bestimmung
wurden zur Keimzelle des Tumors mit der Bezeichnung Archipelag
Gulag: Auf den Solovki wurde das System ausgearbeitet: die
Normen für Essensrationen und Bewachung, für die
Buchführung und Bekleidung, für Sprache und Beschränkungen
der Freiheit, Arbeitseinsatz und -ausbeute sowie Formen der
Ermordung und anschließenden Beerdigung..."
2.
FORMEN DES WIDERSTANDES AUF SOLOVKI
2.1
Politische Häftlinge und Politregime
Politische
Häftlinge hatten im Gegensatz zu allen anderen Häftlingskategorien
einen Sonderstatus innerhalb des Lagers inne. In die Kategorie
"Politische Häftlinge" wurden nur die Personen
aufgenommen, die einer Partei angehörten, die bis zur
Oktoberrevolution mit den Bol'eviki für die Revolution
kämpfte und im Zuge der Alleinherrschaft der Bol'eviki
nunmehr als deren Feinde galten. Dies trifft auf Mitglieder
der Sozialrevolutionäre (SR), Sozialdemokraten (SD),
Anarchisten, Meneviki und anderen kleineren Gruppierungen
zu. Die Wurzeln des Politregimes gehen auf die Zarenzeit zurück,
in welcher das Politregime rechtlich jedoch nicht vollends
verankert war und dem damaligen Gefängnisregime ähnelte.
Die Abschottung der politischen Gegner stand in der Zarenzeit
im Vordergrund und auch nach der Oktoberrevolution stand die
Isolation im Mittelpunkt der Bestrafung. Die Traditionen des
Politregimes sind nach der Oktoberrevolution, wenn auch in
veränderter Form auf Grund der politischen Umwälzungen,
erhalten geblieben.
Die folgenden
Sonderrechte wurden den politischen Häftlinge zugestanden:
Die Selbstverwaltung
der politischen Häftlinge ist ein spezifisches Merkmal
des Politregimes. Sie wurde erst möglich durch die vollkommene
Isolation der "Politischen" von den anderen Häftlingen.
"Stacheldraht und Wachtürme mit Aufsehern trennten
die Sozialisten von den anderen Soloveckern. Sie durften nicht
nach draußen, aber auch der Wache war es verboten, die
Demarkationslinie zu übertreten" . Als Sprachorgan
der politischen Häftlinge fungierte der Häftlingssprecher,
Starosta genannt, der jeweiligen Fraktionen, der die Aufgabe
hatte, die Unterredungen direkt mit der Lageradministration
zu führen. Die Geschlossenheit und der Zusammenhalt der
politischen Häftlinge durch die Selbstverwaltung wirkte
sich positiv auf die Durchsetzung ihrer Rechte vor der Lageradministration
aus. "Was bei den politischen Häftlingen der zwanziger
Jahre noch in Erinnerung geblieben ist, war die Selbstverwaltung
der Politischen und, daraus entstehend, das Gefühl, im
Gefängnis ein Teil des Ganzen, ein Glied der Gemeinschaft
zu sein. Die Selbstverwaltung [...] milderte den Druck des
Eingesperrtseins auf den einzelnen, sofern alle standhielten,
und vervielfachte jeden Protest durch den Einklang aller Stimmen."
Die politischen
Häftlinge waren auch nicht zur Arbeit verpflichtet. Die
Philosophie der Politischen zu dieser Frage wird in dem Kapitel
"Kampf um das Politregime" des historischen Almanachs
"Zven'ja" wie folgt erklärt: Die Arbeit diente
in den Lagern zu erzieherischen Zwecken, zu Zwecken der Umschmiedung
der Verbrecher oder Konterrevolutionäre. Die politischen
Gefangenen jedoch sahen sich nicht als Gesetzesbrecher sondern
als Opfer des im Lande herrschenden politischen Kampfes, in
den sie selber involviert waren und von den Siegern - den
Bol'eviki - ihrer Freiheitsrechte beraubt wurden. In
diesem Zusammenhang bedeutet die Arbeitsverweigerung ein Nicht
- Annehmen der Schuldzuweisung und Abweisung der Notwendigkeit
der Umschmiedung.
Die politischen
Gefangenen durften Pakete empfangen , hatten das Recht Zeitungen
zu abonnieren, Verwandtenbesuch zu empfangen , hatten freien
Hofgang etc..
Diese
Rechte jedoch waren nicht fixiert und es galt immer aufs neue
um sie zu kämpfen.
Die ersten
"Politischen" wurden ab 1922 in Archangelsk und
Cholmogory, ab Frühling 1923 im Lager Pertominsk isoliert.
Der Sozialistische Bote - das Zentralorgan der Russischen
Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Berlin widmete der
Einrichtung des Lagers Pertominsk eine ganze Titelseite und
prangerte massiv den Terror der Bol'eviki an. Die Bol'eviki
wollten ihren Ruf bei den ausländischen Sozialisten und
Sozialdemokraten nicht einbüßen. Die sozialistischen
Zeitungen im Ausland wurden die Sprachrohre der politischen
Häftlinge. Mit dieser Unterstützung war es ihnen
leichter, ihre Forderungen an die Lagerverwaltung durchzusetzen.
Die Forderungen waren meist an die Ausrufung eines Hungerstreiks
geknüpft. "Den naiven Glauben an die Kraft des Hungerstreiks
schöpften wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit und
desgleichen - aus der Literatur der Vergangenheit. Hingegen
stellt der Hungerstreik eine Waffe rein moralischen Charakters
dar: Die Wirksamkeit ist überhaupt erst gegeben, wenn
man voraussetzen kann, dass der Kerkermeister noch einen Rest
von Gewissen besitzt - oder Angst vor der öffentlichen
Meinung hat." Die politischen Häftlinge hatte zweifellos
die ausländische Öffentlichkeit an ihrer Seite.
Die Tatsache, dass die politischen Häftlinge zumeist
Berufsrevolutionäre waren und einer gebildeten Schichte
angehörten, die ihre Rechte sehr gut kannte, unterstütze
ebenfalls den geschlossenen Widerstand dieser Häftingskategorie.
Im Sommer
1923 wurden alle politischen Häftlinge auf die Soloveckij
Inseln versetzt und in der Savvatiev-Einsiedelei, später
in noch zwei weiteren Klausen auf der Insel Anser und der
Großen Muksalma untergebracht. Aber nicht nur ausländische
Zeitungen berichteten regelmäßig über ihre
Lebensumstände, über die Ausrufung von Hungerstreiks,
die Durchführung von Selbstmorden, über Neuinhaftierungen
und Entlassungen. Im Jahre 1925 wurde in London das Werk "Letters
from Russian Prisons" publiziert, welches den Nördlichen
Lagern zur besonderen Verwendung ein umfangreiches Kapitel
widmete und aus heutiger Sicht ein essentielles Werk zum Thema
"Widerstand" darstellt.
2.1.1
Ringen um die Sonderrechte - Widerstand der "Politischen"
Schon
mit der Ankunft der politischen Häftlinge auf den Soloveckij
Inseln begann ihr stetiges Ringen um die Sonderrechte. Dabei
ging es in erster Linie um das 24-stündige Ausgangsrecht
innerhalb des Territoriums, in dem die Polithäftlinge
untergebracht waren. "The very first day we had to fight
for the legalization of our right to walk about freely during
all the twenty-four hours of the day within the confines of
our tiny domain" .Die Frage des Ausgangsrechts sollte
zu einer der größten Skandale in der Geschichte
der Politregimes auf den Solovki werden.
2.1.1.1.
Der 19. Dezember 1923 und seine Folgen
Am 19.Dezember
1923 rief der Lagerkommandant Nogtev die Vertreter der politischen
Fraktionen zusammen. Zu diesem Zeitpunkt war den Häftlingssprechern
bereits bekannt, dass eine Direktive aus Moskau eingetroffen
war, die eine Verkürzung des Ausganges betraf. Man einigte
sich darauf, dass man zwar keinen aktiven Widerstand leisten
wolle, jedoch weiterhin ohne Einschränkung die Gebäude
verlasse und die Moskauer Direktive nicht beachten wolle .
Am 19.Dezember um 17.00 Uhr wurde die Aufforderung verlesen,
dass der Ausgang der Häftlinge nur mehr bis 18.00 gestattet
sei. Da die Versammlungen der politischen Häftlinge,
in denen u. a. auch Direktiven verlesen wurden, normalerweise
gegen 20.00 Uhr stattfanden, nahmen man auf Seite der politischen
Häftlinge an, dass der Beschluß erst einen Tag
später in Kraft trete. Und "selbst die, die von
den neuen Bestimmungen wußten, hielten es für ihr
Recht draußen zu sein, da die Zeitgrenze noch nicht
erreicht war" . Kurz darauf wurde nach Vorwarnung von
Rotarmisten und Cekisten das Feuer eröffnet und blindlings
in die spazierende Menge geschossen. Im Zuge der Schießerei
wurden fünf politische Häftlinge getötet, zwei
verletzt.
Offizielle
Darstellungen, wie beispielsweise der Bericht in der Zeitung
Izvestija stellen den Fall lediglich als "traurigen Inzident"
dar, andere Berichte wiederum, beispielsweise der auf der
Titelseite des Sozialistischen Boten am 25. Februar veröffentlichte
Hintergrundbericht, klagten die Lageradministration der Initiierung
des Vorfalls zur Einschüchterung der politischen Häftlinge
an. Die Häftlinge hätten nicht zuwider gehandelt,
da die Zeitgrenze noch nicht erreicht war, der Beschuß
hätte somit vorsätzlich stattgefunden. Nach der
Aussage des früheren Mitarbeiters der OGPU A. Rocin
"verhöhnten die politischen Häftlinge die Aufseher
auf den Wachttürmen des öfteren, gingen zu ihnen
und schimpften auf sie...im Endeffekt führte das zu einer
Tragödie... ". Von direkten Provokationen seitens
der politischen Häftlinge ist uns wenig bekannt.
Die Beurteilung
des Vorfalles aus heutiger Sicht fällt schwer, einerseits
weil sich die Aussagen in den Zeitungsquellen je nach ideologischer
Ausrichtung voneinander unterscheiden, den offiziellen Dokumenten
wenig Glauben geschenkt werden kann und selbst die Erinnerungen
und Zeugenberichte der politischen Häftlinge verschieden
ausfallen. Eines ist jedoch sicher. Der Vorfall löste
größte Empörung bei den politischen Häftlingen
aus und im Zuge dessen regte sich mehr und mehr Widerstand.
Innerhalb
der verschiedenen Fraktionen der politischen Gefangenen gab
es nach dem Inzident Zwistigkeiten um das weitere Vorgehen.
Im Gegensatz zu den Anarchisten waren die linken Fraktionen
gegen die Ausrufung eines sofortigen Hungerstreiks . Nicht
zuletzt, weil ein Hungerstreik ohne schlagende Unterstützung
der ausländischen Presse aller Wahrscheinlichkeit nach
zu einem Mißerfolg führen würde. Man stellte
somit offene Forderungen an die Untersuchungskommission und
andere sowjetische Einrichtungen, schrieb Briefe an die sozialistische
Internationale, den sozialistischen Boten etc..
In den
70er Jahren wurde im Zuge von Restaurierungsmaßnahmen
der Savvatiev-Einsiedelei auf Solovki eine Dokumentenmappe
gefunden , in der sich mehrere Manuskripte von Briefen, Aufrufen
etc. befanden, die zwischen 1923-1924 an die o. g. Einrichtungen
versendet worden waren. Unter diesen Dokumenten ist auch ein
Aufruf an die Untersuchungskommission des ZIK SSSR vom 17.Januar
1924, in der die politischen Häftlinge Beschwerde einlegen
über die nicht zureichende Aufklärung der Vorfälle
des 19.Dezember 1923 und die am 10. Januar 1924 unter der
Leitung von A.P. Smirnov gebildete Untersuchungskommission
auffordern, Institutionen wie das Komitee zur Hilfe Politgefangener,
die Sozialistische Internationale und die Amsterdamer Vereinigten
Gewerkschaften in die Untersuchungskommission mit einzubeziehen.
Die Proteste
ebbten nicht ab und flammten neu auf, als die Winterzeit und
die Einstellung der Schiffahrt nahten. Überhaupt scheint
die Abgeschiedenheit der Solovki der Knackpunkt zu sein, dessen
sich die GPU bei der Einrichtung des Lagers natürlich
bewußt war. Den politischen Häftlingen war die
abgeschiedene Lage der Solovki von Anfang an ein Dorn im Auge.
Schon vor der Verlegung auf die Solovki gab es heftige Proteste
gegen die geplante Umsetzung. Nicht zuletzt weil man wußte,
dass die GPU während der langen Wintermonate Willkür
walten lassen konnte. Neuere Gerüchte über Verkürzung
der Sonderrechte und die Erinnerung an die Vorfälle des
Dezember 1923 führten zu einer Kumulation im Herbst 1924.
2.1.1.2
Der Hungerstreik im Herbst 1924
Wenn die
offiziellen Stellen der Bol'seviki auch lange verneinten,
dass es einen Hungerstreik im Herbst 1924 gegeben hat, so
kann man anhand verschiedener literarischer Quellen davon
ausgehen, dass der Hungerstreik stattgefunden hat. Ich habe
mich entschieden, im Zweifelsfall den Opfern mehr Gehör
zu schenken als den Tätern. Dass sich die Auswertung
der Quellen zum Thema Widerstand auf Solovki aufgrund der
unzureichenden Quellenlage als schwierig gestaltet, ist eingangs
schon erwähnt worden. Die Dramatik des Problems jedoch
soll anhand dieses konkreten Beispiels, des Hungerstreiks
im Herbst 1924, für den Leser noch einmal aufgezeigt
werden.
"Alle
Fraktionen waren sich einig bei der gemeinsamen Verteidigung
ihrer Sonderrechte, über die Methoden des Kampfes jedoch
gab es Unklarheiten. [...] In allen drei Einsiedeleien aller
Fraktionen kam man schließlich zum Entschluß,
noch vor der Einstellung der Schiffahrt ein Aufforderung nach
Moskau zu senden, mit der Forderung entweder alle politischen
Häftlinge von den Solovki auf das Festland zu verlegen
oder ihnen uneingeschränkt die Sonderrechte auf den Solovki
zu gewähren. Die Fraktionen der Sozialrevolutionäre
und der linken Sozialrevolutionäre drohten bei Absage
mit der Ausrufung eines Hungerstreiks. [...] Einen Tag vor
Ablauf der Frist kam Eichmans ins Lager und verkündete,
dass aus Moskau die Absage eingetroffen sei. Der Hungerstreik
begann: in allen drei Einsiedeleien hungerten Anarchisten,
linke Sozialrevolutionäre und Sozialrevolutionäre.
Der Sozialistische
Bote vom 10.November 1924 datierte den Beginn des Hungerstreiks
mit 25.September und bestätigt die in den Erinnerungen
Ekaterina Olickajas gestellten Forderungen. Er gibt als Grund
für die Ausrufung des Hungerstreiks auch die Tatsache
an, dass die lange versprochene Untersuchungskommission aus
Moskau noch nicht eingetroffen sei. Nach Olickaja handelte
es sich um einen 15-tägigen Hungerstreik, bei dem ab
dem 13. Streiktag zusätzlich verkündet wurde, dass
die Streikenden bei Absage ihrer Forderungen Selbstmord begehen
würden. Der Hungerstreik wurde nach einer Unterredung
zwischen Eichmans und dem Häftlingssprecher Bogdanov
beendet, bei der man die uneingeschränkte Beibehaltung
der Sonderrechte garantierte. "Die Sonderrechte bleiben
erhalten. Die Polithäftlinge werden zu keinerlei Zwangsarbeit
verpflichtet mit Ausnahme von Holzfällerarbeiten zur
Beheizung ihrer eigenen Gebäudekomplexe. Formal war der
Hungerstreik gewonnen ". Boris Sapirs Erinnerungen unterscheiden
sich von den Aufzeichnungen Olizkajas. "Die Administration
setzte ihre Politik, die Gefangenen zu quälen fort. Eine
Reaktion auf diese Politik war der Hungerstreik von Anarchisten
und Sozialrevolutionären, der vom 3. bis 4. Oktober 1924
dauerte und mit einem Mißerfolg endete" . Die Tatsache,
dass ein Hungerstreik von 3.bis 4. Oktober stattgefunden hat,
bestätigen sowohl die offiziellen Berichte der aus Bokij,
Katan'jan und Krasikov bestehenden Kommission, als auch der
in "Letters from Russian Prisons" gedruckte Zeitungsartikel
aus der New Yorker "Nation" und der Bericht Boris
Sapirs.
Erinnerungslücken,
gefälschte oder gefärbte Dokumente, sich widersprechende
Zeitungsberichte, Unklarheiten darüber, ob es sich um
eine Zeugenaussage oder eine tradierte Erzählung handelt,
die sich innerhalb des Lagers ausgebreitet hatte und nach
dem Stillen - Post - Prinzip meist gleich in mehreren Varianten
existierte, erschweren die Auswertung in höchstem Maße.
Die tatsächlichen Vorgänge in den Lagern bleiben
vernebelt, die Quellen schweigen zwar nicht zur Gänze,
flüstern jedoch in verschiedenen Stimmlagen verschiedene
Erzählungen, deren Wahrheitsgehalt nachträglich
schwer einzuschätzen ist.
Zusätzliche
Quellen können zur Hand gezogen werden, wie beispielsweise
die Liste der Solovecker Polithäftlinge inklusive Haftdaten,
Parteimitgliedschaft etc. der einzelnen angeführten Personen,
deren Kopie in den 90er Jahren im Moskauer Memorial auftauchte
. Jedoch stellt auch sie nur eine Rekonstruktion dar - teilweise
basierend auf der Häftlingsliste, die im Sozialistischen
Boten (15.12.1923) veröffentlicht wurde oder auf der
Basis des von 233 Polithäftlingen unterschriebenen Lageberichtes
über das Politregime im Sommer 1924 . Sapirs und Bogdanovs
Namen tauchen als Unterschriften dieses Lageberichtes auf,
Olizkajas nicht.
Auch mit
Hilfe der zusätzlichen Dokumente kann nicht festgestellt
werden, welcher Bericht nun mehr Wahrheitstreue aufweist.
Laut des sozialistischen Boten vom 20.Dezember 1924 wurde
der Hungerstreik durch die bereits erwähnte Kommission
unterbrochen und ab 4.Oktober bis 18.Oktober von Sozialrevolutionären
und Anarchisten weitergeführt, endete in Form eines 14-stündigen
Gespräches mit Eichmans, bei denen die Forderungen durchgesetzt
wurden. Ob sich der Bote auf der von Olickaja dargestellten
Unterredung zwischen Eichmans und Bogdanov bezieht, kann allein
mit Hilfe der vorliegenden Quellen nicht geklärt werden.
Es kann sein, dass beide Berichte ihre Richtigkeit haben.
Beispielsweise ist es möglich, dass in einer Einsiedelei
schon früher ein Hungerstreik ausbrach oder später
beendet wurde. Genauso gut kann es sein, dass die Berichterstatter
unterschiedlichen Fraktionen angehörten. Olizkajas Einschätzung
von einem "formalen Sieg" ist gleichbedeutend mit
einer Niederlage, wie sie Sapir darstellt. Schließlich
wurde der Forderung nach Verlegung auf das Festland nicht
nachgekommen. Dies geschieht erst im Sommer 1925.
Im Juni
1925 wurde das Politregime auf den Soloveckij Inseln aufgelöst
und alle Insassen entweder in den Gefängnissen am Festland
untergebracht oder ihre Haftstrafe in Verbannungsurteile abgeändert.
Es ist
anzunehmen, dass die endgültige Verlegung der Häftlinge
von den Solovki auf das Festland zwar nicht ausschließlich,
aber zumindest teilweise von den Häftlingen durch ihren
regen Widerstand gegen die Herrschaft und den Terror der Bol'eviki
durchgesetzt wurde. Über die weiteren Gründe für
die Umsetzung ist uns nichts bekannt.
Nach 1925
ist uns ebenfalls noch ein Versuch bekannt, bei dem Häftlinge
politische Sonderrechte erlangen wollten . Im Sommer 1928
riefen die Anhänger der Partei Musavat (rund 300 Personen)
einen Hungerstreik aus um den Status der Polithäftlinge
zu erwirken. Leider ist uns über den Ausgang der Hungerstreiks
nichts mehr bekannt. Man kann aber annehmen, dass die Forderungen
nicht bewilligt wurden.
2.1.2
Der andere Blickwinkel
Noch ein
Wort zu den Widerstandsaktionen der Polithäftlingen aus
einer anderen Perspektive. Die Polithäftlinge waren bei
den anderen Lagerkategorien durch ihr Auftreten nicht gerade
beliebt und oftmals wurde ihnen vorgeworfen, einzig und allein
zu ihren Gunsten zu kämpfen. "Die Politischen? Die
waren irgendwie widerlich: die Nase hoch oben, immer im Abstand
beim eigenen Häuflein, lauter Forderungen - um ihre Rationen
und ihre Privilegien. Und andauernd gab' s Zank und Streit
bei ihnen. [...] Diese fruchtlosen, endlosen, wenn nicht schon
lächerlichen Disputationen...dieses Beharren auf Privilegien
angesichts der Hungernden und Elenden. [...] Und plötzlich
stoßen wir auch noch auf diesen Vorwurf: Warum haben
die Sozialisten, sorglose Ausbrecher unter dem Zaren, im sowjetischen
Gefängnis so schmählich schlapp gemacht? Warum saßen
sie wie angenagelt? Im allgemeinen waren Ausbrüche und
Fluchtversuche keine Seltenheit - doch wer erinnert sich,
von einem flüchtigen Sozialisten gehört zu haben?"
Diese
Einschätzungen haben durchaus ihre Richtigkeit. In der
Tat kämpften die politischen Häftlinge nicht darum,
die allgemeine Lage auf den Solovki zu verändern oder
zumindest darauf aufmerksam zu machen, was ihnen, durch ihre
Kontakte zur ausländischen Presse möglich gewesen
wäre. So hoch sie auch ihre Freiheitsrechte schrieben,
so wenig setzten sie sich für die allgemeinen Menschenrechte
ein. Unterstützung wurde nur den Personen zugestanden,
die sie als ihre Verbündeten ansahen - beispielsweise
den Kronstädter Matrosen oder Studenten, die einer ihrer
Fraktionen nahe waren. In diesen Fälle wurden Versuche
eingeleitet die Anerkennung des Politregimes auf die o. g.
Personenkreise auszudehnen.
Zusammenfassend
läßt sich sagen, daß die politischen Häftlinge
auf den Solovki sicher die besten Instrumente zum Kampf um
ihre Rechte besaßen und, neben den aus religiösen
Gründe inhaftierten Häftlingen, den verbittertsten
Widerstand gegen die bol'evistische Herrschaft leisteten.
Die Intensität des Widerstandes der "Politischen"
als auch bestimmter Gruppen der "Religiösen"
(nicht der russisch - orthodoxen Geistlichkeit!) gründet
sich sowohl auf die Kraft ihrer Überzeugung (Ideologie,
Religion etc.) als auch auf ihre Abgeschlossenheit von den
anderen Häftlingen.
2.2.
"Die Religiösen" - aus religiösen Motiven
inhaftierte Gefangene
Die "Religiösen"
stellen formal keine eigene Häftlingskategorie dar. Auf
Grund ihrer Sozialisation und ihres Weltbildes bietet es sich
jedoch an, sie als eigene Kategorie zu behandeln. Dabei ist
auf die Religionszugehörigkeit zu achten - so gab es
Vertreter der orthodoxen Kirche, aber auch Vertreter beispielsweise
der katholischen Kirche oder Vertreter verschiedenster Sekten
(aus Sicht der russisch - orthodoxen Kirche).
2.2.1
Die heilige Kraft des Ortes - Auswirkung auf das Verhältnis
zwischen Geistlichkeit und den Bol'eviki
Man muss
den Leser nicht gesondert darauf hinweisen, dass Religion,
Religiosität und Glaube auf den Soloveckij Inseln eine
besondere Bedeutung hat. Ist doch alles, was auf den Solovki
bis in die 20er Jahre des 19.Jahrhunderts existierte, mit
der Geschichte des Klosters und der russisch - orthodoxen
Kirche verbunden, in welcher ihrer Ausrichtungen auch immer.
Die symbolische Bedeutung des Ortes, die möglicherweise
über dem uns Faßbaren liegt, hat die Geschichte
gleichsam bestimmt. Man sagt den Inseln eine direkte Verbindung
zwischen dem Irdenen und dem Göttlichen nach. Viele Dinge
lassen sich erst dadurch erklären, wenn man die starke
symbolische Bedeutung des Ortes ins Gesichtsfeld rückt
und sich bei der Interpretation der historischen Quellen darauf
besinnt - auf das, was nicht in den Quellen geschrieben steht
und trotz allem vorhanden ist. Wie ist es anders zu erklären,
dass alte Mönche, von den Cekisten malträtiert,
Gott dafür dankten, gerade an diesem heiligen Ort ihren
Tod zu finden...
Es ist
anzunehmen, dass sich auch die motiviertesten Cekisten der
Schwierigkeit bewußt waren, aus einem altrussischen
Geistlichen einen sowjettreuen Bürger zu schmieden. Das
Verhältnis zwischen der Lageradministration und den "Religiösen"
scheint zwiespältig zu sein. Einerseits trifft man auf
Berichte (beispielsweise bei Solenicyn), dass seitens
der Cekisten besonders harte Repressalien gegenüber Gläubigen
und Priestern angewendet wurden, auf der anderen Seite scheint
es so, als hätten russisch - orthodoxe Gläubige
bis 1929 Sonderprivilegien auf den Solovki inne gehabt . Sie
mußten ihre Haare nicht scheren lassen und durften ihre
Kutten weiterhin tragen. Auch die Aufstellung von Ikonen und
des ewigen Lichts war erlaubt. Auf den Soloveckij Inseln fanden
täglich Gottesdienste statt. Auch wenn einzig Geistliche
das Recht hatten diesen beizuwohnen, so ist es höchst
erstaunlich, dass Gottesdienste überhaupt stattfinden
konnten. So war es beispielsweise in den Lagern auf dem Festland
schon lange verboten, Gottesdienste abzuhalten und jegliche
Form der Ausübung der Religion wurde strengstens verfolgt.
Wie lassen
sich die Ausnahmeregelungen zu erklären? Bei der Beantwortung
dieser Frage begibt sich der Historiker auf rutschigen Boden
- aus den Quellen läßt sich keine befriedigende
Anwort finden. Man kann annehmen, dass sich sowohl die Tatsache,
dass das Unterdrückungssystem noch nicht vollends ausgeprägt
war unterstützend auf die liberale Umgangsweise mit der
Geistlichkeit ausgewirkt hat als auch die abgeschlossene Lage
der Insel und ihre religiöse Bedeutung. Wenn die Bol'eviki
die religiösen Symbole auch entehrt und zerstört
hatten durch ihre Umfunktionierung in ein Zwangslager und
Plünderung der Ikonen, so war die Allgegenwärtigkeit
der religiösen Symbole weiterhin gegeben. Die Klostergemäuer
- wenn auch ausgehöhlt - konnten nicht einmal die Bol'eviki
zerstören. Des weiteren trifft man auf seiten der russisch
- orthodoxen Kirche auf wenig Widerstand, was wiederum mit
der russisch - orthodoxen Glaubensphilosophie verbunden ist,
in der das Leiden eine besondere Bedeutung trägt und
die Auflehnung gegen das von Gott aufgetragene Schicksal gleich
einer Auflehung gegen den Willen Gottes gilt. Jegliche Formen
von Protesten, Flucht oder Arbeitsverweigerung treten nicht
auf. Einzig die Missionierungstätigkeit der "Religiösen"
wurde von den Cekisten unterbunden und bestraft.
Die Soloveckij
Inseln galten außerdem als "Inseln des Todes".
Es kam einer Ehre gleich auf der Erde des Sosimas und Savvatievs
zu sterben. Da sich die Unterdrückungsmaßnahmen
der Cekisten in erster Linie auf Angst vor Schmerz und Tod
stützten, konnten sie bei der aus religiösen Gründen
Inhaftierten schlicht und einfach nicht "greifen".
Wer keine Angst vor der körperlichen Auslöschung
hat und vor Qualen nicht zurückschreckt, der ist gleichsam
"immun" dagegen.
2.2.2.
Widerstand der Sektanten - Auflehnung gegen den "Antichrist"
in Form der Bol'eviki
Im Gegensatz
zu den russisch - orthodoxen Häftlingen ist bei Häftlingen
der sogenannten "Sekten" zumeist heftigster Widerstand
zu verzeichnen. Die sogenannten Sektanten weigerten sich für
die Bol'eviki zu arbeiten (...für den Antichrist
zu arbeiten), weigerten sich ihre Namen und Daten zu nennen
etc. Einige der uns bekannten Erinnerungen geben Auskunft
über die Sektanten und deren Schicksal, darunter Oleg
Volkov oder Nikonov - Smorodin, aber auch Solenicyns
Archipel Gulag. Ein beeindruckendes Bild liefert der kurze
Aufsatz eines unbekannten Autors, der über die Ankunft
mehrerer Dutzend weiblicher Sektanten im Sommer 1929 berichtet,
die sich auch nach heftigsten Repressionen weigern, über
ihre Person Auskunft zu geben und Zwangsarbeit zu leisten.
Besonders interessant ist doch das darin beschriebene Vorgehen
der Lageradministration. Laut des unbekannten Autors (der
mit großer Wahrscheinlichkeit Arzt war), brachte man
die rund 30 weiblichen Sektanten zum Arzt, der ihnen Atteste
ausstellen sollte um sie als arbeitsfähig einstufen zu
können. "Sie haben uns vertrauensvoll erklärt,
man solle die Sektanten untersuchen mit einer Anspielung darauf,
sie als arbeitsunfähig einzustufen um eine offizielle
Grundlage dafür zu haben, um sie von der körperlichen
Zwangsarbeit zu befreien" . Im weiteren gibt der Autor
darüber Auskunft, warum sich die Lageradministration
zu diesem Handeln entschloß: "Es war vollkommen
unklar warum man die aufständischen Sektanten nicht nach
Anser verlegte. Wir fragten danach den ärztlichen Leiter
des Lazaretts. Dieser erklärte uns, dass der schweigende
Protest der Sektanten in keiner Weise dem Protest ähnlich
sei, mit dem es die Administration normalerweise zu tun hätte
und der sich in den meisten Fällen in Skandalen, Schreien
und Vandalismus ausdrückte. Und hier hatte man es mit
Schweigen, Einfachheit und Sanftmut zu tun. - Sie sind fanatische
Märtyrer, die das Leiden suchen, irgendwelche Psychopathen
- Masochisten. Man hat Mitleid, ich kann das nicht sehen,
und nicht nur ich allein, auch Vladimir Egorovic (Leiter des
Lagers). Dieser hat sich sogar mit dem der Untersuchungsabteilung
gestritten. Wenn wir sie als unfähig zur körperlichen
Arbeit einstufen, dann können sie in Ruhe gelassen werden
". Laut des Autors jedoch weigerten sich die Sektantinnen
weiterhin Zwangsarbeit zu verrichten und stimmten erst zu,
als ihnen erlaubt wurde, abgeschlossen von den anderen Häftlingen
zusammen zu arbeiten, Psalmen zu singen.
Es ist
zweifelhaft, inwiefern man den Einzelheiten dieses Berichts
Glauben schenken kann. Nicht anzuzweifeln ist jedoch die Tatsache,
dass es in den Jahren 1928-1930 mehrere Dutzende dieser Sektanten
im Solovecker Lager inhaftiert waren und die Lageradministration
mit dieser Häftlingskategorie nicht umzugehen wußte.
Alle Autoren beschreiben die Nachdrücklichkeit des Widerstandes
und die Standhaftigkeit der Sektanten.
2.3.
Widerstand mit den Füßen - Flucht aus den Solovecker
Lagern
2.3.1
Möglichkeiten und Einschränkungen der Auswertung
der literarischen Quellen zum Thema Flucht
Bei der
Untersuchung des Phänomens muß man erneut berücksichtigen,
dass die Quellenlage unter Umständen ein einseitiges
Bild liefern kann. Offizielle Dokumente über Fluchtversuche
aus den Soloveckij Inseln existieren so gut wie nicht. Aus
Mangel an Dokumenten können wir nachträglich nicht
feststellen, wie viele Fluchtversuche es gegeben hat, wohin
diese führten und wie viele davon tatsächlich gelangen.
Die einzigen
Quellen, auf die sich die Autorin stützen konnte, waren
die literarischen Quellen, vorzüglich von den Personen,
denen es gelang über die zum damaligen Zeitpunkt rund
300 km von Kem' entfernte sowjetisch - finnische Grenze zu
fliehen, und anschließend in ihren Erinnerungen darüber
berichteten. Zu diesem ausgewählten Personenkreis zählt
man die Flucht des Generals I. M. Zajcevs , die Flucht der
Brüder Solonevich , der Intelligenzija-Familie Cernavin
, den ehemaligen Cekisten Kiselev-Gromov , die fünf-köpfige
Gruppenflucht von Mal'sagov, Bezonov, Pribludin, Sasonov und
Mal'brodskij sowie A. Klinger Ob und wie viele weitere Personen
von den Solovki ebenfalls über die sowjetisch - finnische
Grenze flüchteten, ließe sich unter Umständen
in finnischen Archiven und Zeitungsarchiven recherchieren.
Es würde
den Rahmen der Arbeit sprengen Einzelheiten über den
Ablauf der Flucht der o. g. Personen zu geben. Viel wichtiger
erscheint es, die einzelnen Fluchtversuche miteinander zu
vergleichen um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen.
2.3.2.
Flucht aus den Solovecker Lagern für besondere Bestimmung
- eine vergleichende Analyse
Wenn man
die Erinnerungen nebeneinander stellt, dann läßt
sich feststellen, dass allen Fluchtversuchen ein genauer Plan
zu Grunde liegt. Wir haben keine Aufzeichnungen von gelungenen
Fluchtversuchen, bei denen der Flüchtende sozusagen einzig
und allein die "Chance eines geeigneten Moments"
wahrgenommen hatte. Es hat mit Sicherheit derartige Fluchtversuche
gegeben, die Wahrscheinlichkeit dabei wirklich aus dem Lager
zu entkommen, kann jedoch als gering eingeschätzt werden.
Entgegen
der verbreiteten Meinung, dass die Soloveckij Inseln durch
ihre abgeschlossene Lage absolut sicher waren, hat es auch
Fluchtversuche direkt von den Solovecker Inseln gegeben und
nicht nur aus Einrichtungen auf dem Festland. Von der Großen
Soloveckij Insel fanden die Flüchtenden meist den Weg
an das karelische Ufer des Weißen Meeres, von der Großen
und Kleinen Muksalma zum östlichen oder südöstlichen
Ufer . Ohne Zweifel waren die Erfolgschancen vom Festland
aus um einiges höher als von den Inseln über das
Weiße Meer mit gekapertem Boot, selbstgebautem Floß
oder mit falschen Papieren. Im Winter war das Weiße
Meer zugefroren und man konnte über die Eisdecke fliehen.
In den meisten Fluchtfällen bemühte man sich jedoch
darum, nicht direkt von den Inseln fliehen zu müssen
sondern die vorhergehende Versetzung von der Insel zu beantragen,
beispielsweise im Rahmen von Holzarbeiten in eine Lagerabteilung
am Festland. Neben der Flucht ins Ausland sind uns auch Fälle
der Flucht ins Innere der Sowjetunion bekannt , in dessen
Anschluß die die Flüchtenden untertauchen. Aufzeichnungen
gibt es in diesem Falle natürlich keine.
Die Flucht
vorzubereiten galt als schwierig, mußte doch ein Fluchtplan
ausgearbeitet werden, der auf die dürftigen Bedingungen
und die Möglichkeiten des Lagerlebens abgestimmt war.
Der erste Schritt war in einigen der Fälle die Kontaktaufnahme
zwischen den Häftlingen. Durch die allgemeine Atmosphäre
des Mißtrauens in den Lagern war es riskant einen Fluchtgedanken
auszusprechen. Das Risiko auf einen Spitzel zu treffen, hatte
fatale Folgen, so die Verurteilung nach Paragraph 82 für
Flucht und oftmals noch ein weiteres Delikt wie Paragraph
59.3 für Banditismus. Beides konnte mit Erschießung
geahndet werden. Bezonov beschreibt in seinem Bericht die
Kontaktaufnahme mit Mal'sagov wie folgt: "Ich habe sie
(die Mithäftlinge, Anm. d. Verf.) ausgefragt über
ihr Leben, ihre Arbeit, die Spielregeln auf den Solovki, und
obwohl ich so geneigt war, über das Thema Flucht zu sprechen,
habe ich mich nicht konkret an das Thema herangetastet. Ich
wußte, daß man an dergleichen nicht einmal zu
denken hatte! Ein wenig konnte ich herausfinden, nämlich
das alle diese Versuche bisher erfolglos verlaufen sind".
Bei den
Vorbereitungen ging es in erster Linie darum für einen
geeigneten Fluchtpunkt zu sorgen, sowie sich mit Nahrung,
ausreichender Kleidung und gutem Schuhwerk zu versorgen. Nach
Möglichkeit auch einen Kompaß, eine Karte oder
gefälschte Papiere und Waffen zu beschaffen. Die meisten
dieser Gegenstände konnten intern im Lager erstanden
bzw. getauscht werden, in einigen Lagerabteilungen hingen
Karten und es konnten Skizzen angefertigt werden, der eine
oder andere hatte einen Kompaß versteckt etc. Der Besitz
eines Kompasses konnte bei der Flucht über Leben und
Tod des/der Flüchtenden entscheiden. Einer der Mitstreiter
der fünfköpfigen Gruppenflucht hielt einen Kompaß
in einem Stück Seife aufbewahrt und wurde aus diesem
Grund von Bezonov ausgewählt. Auch Tat'jana Cernavina
äußert sich in ihren Memoiren zum Besitz eines
Kompasses. "Wo ist der Kompaß? Er ist nicht da.
Ich wurde von einer schicksalhaften Angst ergriffen. Ich weiss
doch, dass ich ihn hierher gebracht habe. Ein Kompaß
- das ist ein furchtbarer Gegenstand in den Händen eines
Gefangenen. Wenn er gefunden wird, dann bedeutet das den sicheren
Tod durch Erschießung. Für die GPU ist der Besitz
eines Kompasses ein unwiderlegbares Zeichen dafür, dass
eine Flucht vorbereitet wird. "
Es gleicht
einem Wunder, dass es der Familie Cernavina gelang über
die sowjetisch - finnische Grenze zu fliehen. Ihre Chancen
hatten sich dadurch erhöht, weil nur V. Cernavin in der
SLON inhaftiert war und seine Frau Tat'jana samt Kind alle
Fluchtvorbereitungen in Freiheit treffen konnte, darunter
ausreichende Versorgung mit Nahrung.
Der Weg
durch die Sümpfe und Wälder Kareliens war schwer
und konnte im großen und ganzen nur in den Sommermonaten
geschafft werden. Es gelang in den meisten Fällen nur
denen zu fliehen, die ausreichend Erfahrung mit den Naturgewalten
hatten oder aber Kampferfahrung und die notwendige Selbstdisziplin.
Wenn man die Biographien der Flüchtenden betrachtet,
so ist dies beim Großteil der Fall. Mal'sagov war inguschetischer
Reiteroffizier, Bezonov ehemaliger Weißgardist, V. Cernavin
hatte ausreichend Expeditions- und Hafterfahrung, Boris Solonevich
war Pfadfinderführer und Schwergewichtler etc..
Der Überlebenswille
hielt die einzelnen Individuen zusammen. Bei der Gruppenflucht
scheint es vor allem die militärische Disziplin und hierarchische
Gliederung zu sein, die sich positiv auf den Fortgang der
Flucht auswirkte. Man übergab Bezonov, einem tief religiösen
Mann, das Kommando, der auch unter Einsatz von Tötungsdrohungen
die Gruppe vorantrieb und keine Müdigkeit zuließ.
Im Falle der Familie Cernavina stand die gegenseitige Fürsorge
der Partner im Vordergrund und die gemeinsame Sorge um das
Kind, an dem das Paar Halt fand um die Strapazen zu überwinden.
Über
Fluchtvorbereitungen, die in Zusammenarbeit mit einer möglicherweise
korrupten Lageradministration etc. stattfanden, finden wir
in den Berichten wenig Auskunft. Kiselev-Gromov war ein auf
die Soloveckij Inseln strafversetzter Cekist. Inhaftierten
Cekisten, die meist als Bewachungspersonal eingesetzt wurden
und nur in seltenen Fällen Zwangsarbeit verrichten mußten,
hatten Sonderrechte innerhalb des Lagersystems. Kiselev-Gromov
(auch Karpoff), Mitarbeiter des ISO, der Informations- und
Untersuchungsabteilung der OGPU auf den SLON war, gelang es,
sich an einen nahe der sowjetisch - finnischen Grenze gelegenen
Außenposten versetzen zu lassen und flüchtete unter
dem Vorwand auf die Jagd gehen zu wollen, ins finnische Ausland.
Seine Flucht bzw. Überlauf ist durch seine Stellung mit
den Bedingungen der Flucht eines regulären Häftlings
nicht vergleichbar. A. Klinger flüchtet mit falschen
Dokumenten aus dem SLON, seine Flucht beschreibt er in seinen
Aufzeichnungen nur in ein paar Sätzen. "Aus bestimmten
Gründen, über die sich der Leser wahrscheinlich
im klaren ist, bin ich nicht in der Lage zu beschreiben, wie
ich meine Flucht vorbereitet und durchgeführt habe. Zu
viele Details könnten dort in meinem Rußland vielen
Personen schade. Ich sage nur, dass ich mir, nachdem ich mir
den Bart abrasiert hatte, den ich im Lager getragen habe,
mit falschen Dokumenten aus Kem' mit der Eisenbahn nach Murmansk
gefahren bin, dort einige Zeit verbracht habe, mich eingekleidet
und ein wenig Geld beschafft. Aus Murmansk bin ich in der
Kleidung eines Ingenieurs Richtung Süden gefahren weit
nach Kem' um von dort zu Fuß wieder nordwärts zu
wandern zur Grenze Finnlands. Die Grenze zwischen Sowjetrußland
und Finnland habe ich am 16.Dezember 1925 überquert.
Des weiteren
gab es im Jahre 1928 mehrere voneinander unabhängige
Versuche , von den Soloveckij Inseln und von Muksalma zu fliehen.
Darunter in einem Falle per Ruderboot, wobei mit den Aufsehern
der Anlegestelle auf der Große Muksalma kollaboriert
wurde, wie aus den Zeugenaussagen ersichtlich ist. In den
anderen Fällen wurden die Boote gekapert. Alle Flüchtigen
konnten gestellt werden. Für die Lagerverwaltung war
die Tatsache, dass innerhalb kürzester Zeit mehrere Gruppe
über das Weiße Meer fliehen konnten, gleichzusetzen
mit Versagen und Rufschädigung vor der Moskauer Zentrale.
Da alle Flüchtigen nicht - russischer Herkunft waren,
entschloß man sich dazu, die gestellten Personen nicht
der Flucht, sondern einer internationalen Verschwörung
anzuklagen und zum Tode zu verurteilen.
Schwer
einzuschätzen bleibt die Zahl der Flüchtenden aus
dem Solovecker Lager als auch die Informationen darüber,
welche Maßnahmen nach Entdeckung einer Flucht seitens
der Lageradministration ergriffen wurden. Einzig und allein
in Cirkovs Aufzeichnungen finden sich Hinweise darauf. "-
Ein Fluchtversuch wurde verzeichnet. Die Sirene des Umspannwerkes
ertönte, das Zeichen, dass man den Wächtern am Ufer
gab. Das Flugzeug ist aus dem Grund geflogen um die See zu
überwachen. Gleich kommt die Durchzählung. Sie haben
uns abends und nachts überprüft, durchgezählt
nach den Daten (Nachname, Vorname, Vatersname, Geburtsjahr,
Haftparagraph, Haftdauer etc.). Tagsüber führte
man uns unter verstärkter Bewachung in die Banja und
dort haben wir erfahren, dass es sich um eine Flucht aus dem
Politisolator handelte und der Flüchtige noch nicht festgenommen
werden konnte "
Zusammenfassend
läßt sich feststellen, dass die Zahl der Flüchtenden
im Laufe der Existenz des Solovecker Lagers steigt und die
Flucht zu einem nicht mehr außergewöhnlichen Phänomen
wird. Dies hängt zusammen mit der Ausbreitung des Lager
auf dem Festland, dem Bau des Weißmeerkanals, dessen
Lager ebenfalls der SLON zugerechnet wurden, als auch mit
der steigenden Zahl an Insassen.
2.4
Weitere Formen des Widerstandes
Es sind
noch weitere Ausdrucksformen des Widerstandes in den literarischen
Quellen erwähnt. Der Verfasserin geht es in erster Linie
darum, die Phänomene zu erfassen und zu beschreiben.
Eine umfassende Auswertung würde den Rahmen der Arbeit
sprengen.
2.4.1.
Gesang und Symbolik
Vor allem
in den Erinnerungen politischer Häftlinge finden wir
Hinweise darauf durch welche Verhaltensweise und Sprache sich
die Gruppe von den anderen Häftlingen und der Verwaltung
abgegrenzt hat. Dazu gehören einerseits die Verwendung
bestimmter Symbole, wie beispielsweise Fahnen, aber auch der
gemeinsamer Gesang der Revolutionslieder. "Nichts kann
ich mit dem tiefen Eindruck vergleichen, den ihr gemeinsamer
Chorgesang der Revolutionslieder in mir machte". Boris
Sapir beschreibt ähnliches über das Begräbnis
der im Zuge des Vorfalles vom 19.Dezember 1923 (siehe Punkt
2.1.1.1.) erschossenen politischen Häftlinge. "[...]
Man erlaubte die Bestattung innerhalb der Gitter, aber "ohne
Reden", wie es die Lagerverwaltung festlegte. [...] Morgens
dann das Begräbnis. Die Gesichter der Ermordeten sind
zu sehen. Die Särge geschmückt mich Tannenzweigen,
an den Wänden die Flaggen aller Fraktionen der Einsiedelei
- drei rote und die schwarze der Anarchisten...die Flaggen
sind genäht aus Lappen, die einem gerade in die Finger
kamen. [...] Lange schaufelt man Erde, dann hat auch das ein
Ende. Es werden "Vy zhertvoju pali v bor'be rokovoi"
und das "Cernoe znamja" der Anarchisten".
2.4.2.
Tufta
Bei der
Tufta handelt es sich weniger um Widerstand als um Überlebensstrategie.
Tufta bedeutet soviel wie "So-tun-als-ob". Der Beherrschte
führt das, was der Beherrschende von ihm fordert nicht
in der Form aus, wie es von ihm verlangt wird. In den meisten
Fällen bezieht sich dies auf Simulation und andere Formen
des Sich - Verweigerns. "Die Tufta - das sind unzählige
Formen der Betrügerei um weniger arbeiten zu müssen
und gleichzeitig mehr an Nahrung und Geld zu bekommen"
äußert sich Michail Rozanov zu diesem Terminus.
2.4.3.
Das Kartenspiel
Die Verbrecher
im Lager lebten nach den Prinzipien des Glücksspiels.
Auf ihre Lebensweise griff der Unterdrückungsmechanismus
nicht, die Entscheidung über Leben und Tod lag in den
Händen der Verbrecher, die es auch nicht scheuten, ihre
Kämpfe mit Messern untereinander auszutragen. Durch ihre
Lebensweise und ihren eigenen Ehrenkodex hielten sie sich
nicht an die allgemeinen Lagerregeln. D. S. Lichacev beschreibt
das Kartenspiel in seinem 1930 in der Zeitschrift "Soloveckie
Ostrova" publizierten Aufsatz "Das Kartenspiel der
Verbrecher" als die Form des Widerstandes im Lagerleben.
Beim Kartenspiel ging es in erster Linie um dessen kommerziellen
Charakter, es war das Instrument, mit dem man sich innerhalb
des Lagers das Nötigste beschafften konnte (von zusätzlichen
Nahrungsrationen bis hin zur Winterkleidung, Tabak etc. ).
Auf diese Weise wurden die von der Lageradministration geschaffenen
Regeln untergraben und ein auf Glück, Schicksal und Gewalt
basierendes, gut funktionierendes System innerhalb des Lagersystems
erschaffen. Das Kartenspiel gewährleistete dem Verbrecher,
der ein Meister darin war, einen hohen Rang innerhalb dieser
Rangordnung. "Schnelle" Kartenspiele, die leicht
abgebrochen werden konnten, wurden bevorzugt gespielt gegenüber
langsamen Kartenspielen oder Würfelspielen.
2.4.4.
Botschaften und Inschriften
Laut Kisselew-Gromow
wurden von den Häftlingen, die Holzfällerarbeiten
verrichten mußten, unter anderem Särge und Kreuze
in das Exportholz eingeritzt, um einen Kaufboykott zu erwirken.
Rozanov schreibt: "[...] Gold stinkt nicht und du schreibst
darauf auch nicht mit Blut "Helft uns! - Wir sterben",
wie es die Solovecker Gefangenen auf das Holz für England
in den Jahren 1928-1930 gemacht haben." Es ist anzuzweifeln,
dass es solche Aktionen, zumindest in organisierter Form,
gegeben hat. Es erscheint aber möglich, dass in einzelnen
Fällen derartige Zeichen und Symboliken übermittelt
wurden.
Andere
Inschriften Gefangener, die zur internen Kommunikation mit
den Häftlingen benutzt wurden, finden sich auch heute
noch auf den Solovki, beispielsweise in der Kapelle auf dem
Axtberg als auch auf dem Brunnen auf der Insel Anser.
KURZZUSAMMENFASSUNG
Ohne Zweifel
traten vielfältige Formen des Widerstandes im Solovecker
Lager für besondere Bestimmung in all ihren Schattierungen
auf. Bestimmte Formen des Widerstandes sind je nach Häftlingskategorie
vermehrt zu verzeichnen, was in erster Linie mit dem Status
der Häftlingskategorie gegenüber der Lagerverwaltung
oder der Stellung innerhalb der Lagerhierarchie in Zusammenhang
zu sehen ist. Je abgegrenzter und geschlossener eine Häftlingskategorie
war, desto erfolgreicher und vehementer der Widerstand. Das
Auftreten des Widerstandes unterscheidet sich ebenfalls nach
zeitlicher Periode bzw. Entwicklungsstadium des Solovecker
Lagers, was einerseits mit den sich verändernden Haftbedingungen
in Verbindung steht, aber auch mit der sich wandelnden Lagerbevölkerung
im Laufe der Existenz des Solovecker Lagers. Die Entwicklungen
des Lagers, aber auch des sich regenden Widerstandes, spiegeln
dabei die verschiedenen Tendenzen der Entwicklung in der Sowjetunion
wieder.
LITERATURVERZEICHNIS
- G.A.Andreev,
Soloveckie ostrova, In: Grani 8, 1950, S.42-90
- Bezonov',
Dvadcat est tjurem i pobeg s Solovkov (Paris 1928)
[Zitat: Bezonov, Pobeg]
- V Bor'be
za politreim. Predislovie k razdelu, in: Zven'ja,
Istoriceskij al'manach, vypusk 1 (Moskva 1991) S. 239-244
- Tat'jana
Cernavina, Pobeg iz GULAGa (Moskva 1996) [Zitat: Cernavina,
Pobeg]
- Ju.I.
Cirkov, A bylo vse tak...(Moskva 1991)
- D.J.
Dallin/Boris Nicolaevsky, Arbeiter oder Ausgebeutete. Das
System der Arbeitslager in Sowjetrußland (München
1948) [Zitat: Arbeiter oder Ausgebeutete]
- V.V.Iofe,
Bol'oi Soloveckij pobeg 1925 goda, In: Karta [noch
nicht veröffentlicht]
- V.V.
Iofe, Bol'oi pobeg 1928 goda (Muksalma), in: Soloveckie
ostrova, tom 2 - Ostrov Bol'aja Muksalma (=Trudy Morskoj
arkticeskoj kompleksnoj ekspedicii pod obcej redakciej
P.V. Bojarskogo, vypusk 9, Moskva 1996), S.215-217 [Zitat:
Iofe, Pobeg 1928]
- O.I.
Jasevic, Iz vospominanii, In: Pamjat', Istoriceskij sbornik,
Vypusk 1 (Moskva 1976), S.93-158
- Soloveckaja
katorga, Zapiski beavsego A. Klingera. In: Archiv
russkoj revoljucii 19, Berlin 1928 (Reprint Paris 1970)
[Zitat: Zapiski beavsego]
- N.J.
Kisselew (Gromov), Die Totenlager der UdSSR (Karlsbad-Leipzig
1938)
- M.
M. Korallov (Hrsg.), Teatr GULAGa. Vospominanija. ocerki
(Moskva 1995)
- Natalia
Kouziakina, Theatre in the Solovki Prison Camp (=Russian
Theatre Archive 3, 1995)
- Letters
from Russian Prisons (London 1925)
- D.S.
Lichacev, Stat'i rannych let (Tver' 1993)
- Sozerko
Mal'sagov, Adskie ostrova. Sovetskaja tjur'ma na Dal'nem
Severe (Alma Ata 1991) [Übersetzung der englischen
Ausgabe "An island hell" von 1926] [Zitat: Mal'sagov,
Adskie ostrova]
- A.Mel'nik/A.Soina,
Zajavlenija politzakljucennych Pertominska i Solovkov (1923/24),
in: Zven' ja, Istoriceskij al'manach, vypusk 1 (Moskva 1991)
S. 245-251
- O.
Markova, Ekaterina Pavlovna Pekova i ee pomoc'
politzakljucennym, In: Pamjat', Istoriceskij sbornik, Vypusk
1 (Moskva 1976), S.313-324
- Irina
A. Reznikova, Materialy k istorii lagernogo perioda Muksalmy
(1923-1939 gg.) in: Soloveckie ostrova, tom 2 - Ostrov Bol'aja
Muksalma (=Trudy Morskoj arkticeskoj kompleksnoj ekspedicii
pod obcej redakciej P.V. Bojarskogo, vypusk 9, Moskva
1996) S. 29-34
- Irina.
A. Reznikova, Duchovnaja i cerkovnaja isn' na Solovkach.
1920-1930 gg. (keine weiteren Angaben)
- M.
Rozanov, Zavoevateli belych pjaten (Limburg/Lahn 1951) [Zitat:
Rozanov, Zavoevateli]
- Igor
P.Smirnov (Hrsg.), Dmitri S. Lichatschow. Hunger und Terror.
Mein Leben zwischen Oktoberrevolution und Perestroika (Ostfildern
vor Stuttgart 1997)
- Alexander
Solschenizyn, Der Archipel Gulag. 1918-1956 Versuch einer
künstlerischen Bewältigung (15.Auflage Reinbek
bei Hamburg 2001) [Zitat: Archipel Gulag 1]
- Alexander
Solschenizyn, Der Archipel Gulag 2. Folgeband. Arbeit und
Ausrottung. Seele und Stacheldraht (59.-61 Tausend, Reinbek
bei Hamburg 1999) [Zitat: Archipel Gulag 2]
- Ralf
Stettner, "Archipel GULag": Stalins Zwangslager
- Terrorinstrument und Wirtschaftsgigant. Entstehung, Organisation
und Funktion des sowjetischen Lagersystems 1928-1956 (Paderborn
u.a. 1996) [Zitat: Stettner, Stalins Zwangslager]
- Socialisticeskij
vestnik. Zentralnyi Organ Rossijsk. Social-Demokrat. Rabocej
Partii (Herausgabeort Berlin), Jahrgänge 1923-25 [Zitat:
Sozialisticeskij vestnik]
- Semen
Samuilovic Vilenskij (Hrsg.), Soprotivlenie v GULAGe. Vospominanija.
Pis'ma. Dokumenty (Moskva 1992) [Zitat: Vilenskij, Soprotivlenie]
- E.B.emkova/A.B.Roginskij,
Soloveckie politskity. Spisok zakljucennych (1925), In:
Zven'ja, Istoriceskij al'manach, vypusk 1 (Moskva 1991)
S.252-287
|