Klosterturm Solovki
Solovki.org - Home
Hintergrund
Hausarbeit
Das Projekt
Das Seminar
Literatur
Über Solovki
Geographische Lage
Das Kloster
Die Lagerzeit
Die Gegenwart
Die Zukunft
Tourismus
Links
Die Reise
Planung
Finanzierung
Teilnehmer
Programm
Tagebuch
Bilder
Ergebnisse
Referate
Hausarbeiten
Das Buch
Artikel
Zuschriften
Impressum
Danksagungen
Organisation
Inhalte & Gestaltung
 
Valid HTML 4.0!
 
Copyright © 2001 by
http://www.solovki.org/
Site last updated:
2001-12-21 0:46
 


FORMEN DES WIDERSTANDES IN DEN SOLOVECKER LAGERN FÜR BESONDERE BESTIMMUNG (SLON)

Manuela Putz

INHALTSVERZEICHNIS

  EINLEITUNG
  Forschungsstand und Fragestellung
  Zur Quellenlage
1. THEMATISCHE EINFÜHRUNG
1.1. Was ist Widerstand im Lager? - Versuch einer Arbeitsdefinition
1.2. Die SLON - Solovecker Lager für besondere Bestimmung
1.3. "Hier endet die sowjetische Macht, hier beginnt die Solovecker Macht" - Merkmale und Charakteristika der SLON in ihren Anfängen 1923-1928/29
2. FORMEN DES WIDERSTANDES AUF SOLOVKI
2.1. Politische Häftlinge und Politregime
2.1.1. Ringen um Sonderrechte - Widerstand der "Politischen"
2.1.1.1. Der 19. Dezember 1923 und seine Folgen
2.1.1.2. Der Hungerstreik im Herbst 1924

2.1.2.

Der andere Blickwinkel
2.2. Die "Religiösen" - aus religiösen Motiven inhaftierte Gefangene
2.2.1. Die heilige Kraft des Ortes und deren Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Geistlichkeit und Bol'ševiki
2.2.2. Widerstand der Sektanten - Auflehnung gegen den "Antichrist"
2.3. Widerstand mit den Füßen - Flucht aus den Solovecker Lagern
2.3.1. Möglichkeiten und Einschränkungen der Auswertung der literarischen Quellen zum Thema Flucht
2.3.2 Flucht aus den Solovecker Lagern für besondere Bestimmung - eine vergleichende Analyse
2.4. Weitere Formen des Widerstandes
2.4.1. Gesang und Symbolik
2.4.2. Tufta
2.4.3. Das Kartenspiel
2.4.4. Botschaften und Inschriften
  KURZZUSAMMENFASSUNG
  Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

Forschungsstand und Fragestellung

Die Erforschung des Lagersystems in der Sowjetunion stellt noch immer einen der berühmten "weißen Flecken der Geschichtsschreibung" dar. In der historischen Forschung gibt es zum gegebenen Zeitpunkt noch keinen Gesamtüberblick über das sowjetische Lagersystem. Nicht einmal im regionalen Bereich ist es zum gegebenen Zeitpunkt möglich, eine Gesamtdarstellung für den GULAG in den einzelnen Regionen zu verfassen. Das Auftreten von Widerstand in sowjetischen Straflagern ist demzufolge ebenfalls kaum erforscht. Lediglich einige Spezialuntersuchungen zu den Gefangenenaufständen in den 50er Jahren liegen zu bestimmten Lagerkomplexen vor sowie einzelne Arbeiten zum Widerstand der Regimegegner in den Politlagern der Stalinzeit. Zweitere wurden in der Regel von den regionalen Abteilungen der Menschenrechtsorganisation Memorial in Zusammenarbeit mit den lokalen Universitäten herausgegeben. Zu den Straflagern auf den Solovecker Inseln gibt es ausreichend literarische Berichte und einige Studien. Das Thema Widerstand wurde aber nicht speziell aufgegriffen und es sind keine Arbeiten zu diesem Thema zu verzeichnen.

Die vorliegende Arbeit stellt es sich zur Aufgabe anhand einer Mikrostudie des Solovecker Lagers für besondere Bestimmung nachzuzeichnen, ob und welche Formen des Widerstandes möglich waren. Es wird geklärt, unter welchen spezifischen äußeren und inneren Bedingungen verschiedene Formen des Widerstandes überhaupt erst auftreten konnten.

Die vorliegende Arbeit sieht sich als Werkstattskizze, in der in erster Linie Daten zusammengetragen wurden, eingeordnet und auf deren Inhalt und deren Haltbarkeit überprüft wurden. Sie dient als Datenbasis für weitere Forschungen auf diesem Gebiet, wobei es notwendig ist, angrenzende Wissenschaftszweige wie die Sozialwissenschaft und Kulturwissenschaft in die weitergehende historische Forschung mit einzubeziehen um das Phänomen Widerstand in seiner Ganzheit zu erfassen.

Erstrebenswert wäre die Anfertigung weiterer Spezialuntersuchungen zu den sowjetischen Straflagern zu verschiedenen Zeitpunkten der Existenz des Lagersystems um Schlüsse auf das Verhältnis zwischen der Entwicklung der Straflager und dem Auftreten von spezifischen Formen des Widerstandes zu ziehen. So kann man vorwegnehmen, dass die einzelnen Entwicklungsphasen des Lagersystems, der sich verändernde "Zweck" und "Ziel" der Straflager eine große Wirkung auf die Art des Widerstands hatten, genauso wie die Folgen des Zweiten Weltkrieges und die zunehmenden Nationalitätenkonflikte nach dem Zweiten Weltkrieg Einfluß auf die Form des Widerstandes nahmen. Die späteren Gefangenen-aufstände zu Ende der Stalinzeit sind in den Lagern der 20/30er Jahre in der Form nicht vorstellbar.

Die Arbeit gibt in einem einführenden Teil Auskunft zur Forschungs- und Quellenlage, zur Geschichte des Solovecker Lagers zur besonderen Bestimmung und zu den Merkmalen bzw. Charakteristika des SLON in seinen Anfängen bis 1928/29. In einem zweiten Teil werden die Formen des Widerstandes untersucht und nach jedem Punkt ein Fazit über die bisherigen Forschungsergebnisse gezogen. Die Arbeit schließt mit einer kurzen Zusammenfassung.

Bei der Umschrift der russischen Namen und Termini wurde die wissenschaftliche Transkription verwendet. Die Übersetzungen aus dem Russischen wurden ohne Ausnahme von der Autorin angefertigt.

Zur Quellenlage

Die Quellenlage zur Erforschung des sowjetischen Lagersystems ist aus mehreren Gründen als unzureichend einzuschätzen. So sind zwar die wichtigsten russischen Archive seit der Perestroika geöffnet, jedoch ein Teil der Akten lagert immer noch in verschlossenen Archiven, ein anderer Teil wiederum wartet in regionalen Archiven auf Entdeckung und Auswertung. Die Aussagekraft des Archivmaterials zum Thema Widerstand in sowjetischen Straflagern ist zudem lückenhaft und gibt, wenn überhaupt, nur verzerrt wieder, was passiert sein könnte. Dies läßt sich auf die ideologischen Besonderheit des totalitären sowjetischen Systems zurückführen und bezieht sich in unserem Fall in erster Linie auf das Kräfteverhältnis zwischen der Solovecker Lagerverwaltung und der Moskauer Zentrale. Auf der einen Seite hatte die Lagerverwaltung gute Gründe auch intern Fluchtversuche, Aufstandsversuche etc. zu verschweigen, da die Moskauer Zentrale derartige Vorfälle nur allzu leicht als Versagen seitens der Solovecker Lagerverwaltung interpretieren konnte. Auf der anderen Seite gab es seitens der Zentrale auch immer wieder angeordnete Vorgaben (Kontingente etc.), die in jedem Fall zu erfüllen waren, ungeachtet der realen Umstände. Oft blieb der Lagerverwaltung keine andere Wahl, als Sachverhalte in der Form darzustellen, wie sie von der Zentrale gesehen werden sollte und nicht, wie es den Tatsachen in den Lagern entsprach. Dies erschwert dem Historiker heute die Arbeit bei der Auswertung der sowjetischen Dokumente, insbesondere bei der Erforschung der Themen, die nicht ins ideologische Bild paßten. Dazu ist das Thema "Widerstand in sowjetischen Lagern" zu zählen.

Die vorliegende Arbeit stützt sich in erster Linie auf literarische Quellen wie Memoiren, Tagebucheintragungen, Erinnerungen und Zeitungsartikeln und nicht auf Archivdokumente. Die Autorin hatte keine Möglichkeit in russischen Archiven zu forschen. Die in den schriftlichen Quellen genannten Daten (Namen, Datum, Ortsangaben) und dargelegten Fakten konnten aus diesem Grund nicht mit Archivdokumenten verglichen werden, was in manchen Fällen mit größter Wahrscheinlichkeit zu einem anderen Ergebnis geführt hätte (siehe z.B. Punkt 2.1.1.1).

Die meisten Erinnerungen wurden im Tamisdat herausgegeben da es aus offensichtlichen Gründen nicht möglich war, sie in der Sowjetunion zu publizieren. Nur zu oft wurden sie mit der Intention geschrieben, die westliche Welt auf die Vorgänge in der Sowjetunion aufmerksam zu machen und legten ihren Schwerpunkt auf die Beschreibung der Greueltaten der Täter und nicht auf die Wiedergabe des Alltags in den sowjetischen Lagern. Dies bezieht sich sowohl auf die Veröffentlichungen in den 20er Jahren (z.B. Mal'sagov oder Bezonov ) als auch auf die Werke der 50er Jahre (beispielsweise Rozanov ). Bei den in den Jahren 1938 und 1939 in Deutschland veröffentlichten Publikationen ist besondere Vorsicht geboten da sie bereits von der Kriegspropaganda gegen die Sowjetunion gezeichnet sind. Es ist vollkommen unklar, in wie weit die russischen Manuskripte von den Übersetzern und Herausgebern manipuliert worden sind.

Es ist ebenfalls zu unterscheiden zwischen Erinnerungen, die während der Inhaftierung aufgezeichnet worden sind oder kurz danach (siehe u.a. die Solovecker Aufzeichnungen Lichacevs oder die Fluchtberichte derer, die über die finnische Grenze fliehen konnten) im Gegensatz zu denen, die erst Jahre später von den Autoren rückblickend verfasst worden sind (Lichacev's "Erinnerungen" und andere). Natalia Kouziakina verweist in ihrer Publikation "Theatre in the Solovki Prison Camp" auf das Zitat Lichacevs, das die Schwierigkeit bei der Rekonstruktion der Erinnerung anschaulich verdeutlicht: "Recalling now what happened 60 years ago, I come to the conclusion that what is most difficult is to restore the date of this or that event. In my mind's eye I clearly see people, visualize their faces and the features if nature surrounding the Solovetsky Monastery, the platoons, I can hear the roll-calls, the crackling of rifle fire as people are shot, I recollect conversations, but to arrange them all in chronological order is most difficult. As if my memories keeps photographic and audio records of events and converstations, but all in disarray".

Ein weiteres Problem bei der Auswertung von sowjetischen Lagererinnerungen ist der Umstand, dass die Autoren um die von ihnen beschriebenen Personen zu schützen oft weder volle Namen noch genaue Beschreibungen aufgezeichnet haben. Die dargestellten Personen bleiben somit gesichtslos und die unverfänglichen Abkürzungen der Namen und Orte sind oftmals schwer zu entschlüsseln. Die Solovecker Aufzeichnungen Lichacevs wurden teils auf den Solovki, teils kurz nach der Entlassung in einem gesonderten Heft verschlüsselt geschrieben und von seinen Eltern aus dem Lager geschmuggelt. Die ersten Seiten des Heftes jedoch wurden herausgerissen, um die dort erwähnten Personen nicht in Schwierigkeiten zu bringen . Auch bei den Zahlenangaben ist sehr oft höchste Vorsicht geboten. Oftmals begründen sie sich nur auf Gerüchte und kehren unverhältnismäßig oft wieder, wie dies im Falle der Solovecker Lager auf die Zahl 300 zutrifft . Dies bedeutet schlicht, dass es nicht viele, aber auch nicht wenige gewesen seien und hat oft wenig mit der tatsächlichen Anzahl an Personen zu tun.

THEMATISCHE EINFÜHRUNG

1.1 Was ist Widerstand im Lager? - Versuch einer Arbeitsdefinition

Was Widerstand ist, läßt sich sehr schwer fassen und beschreibt menschliches Handeln zwischen Tun und Unterlassen. Die Bandbreite der Phänomene, die in Form von offenem Widerstand, als Sich - Wehren gegen die Art und Weise der Behandlung, als Resistenz oder schlichtweg als Überlebensstrategie auftreten ist sehr groß.

Als Arbeitsdefinition wurde von meiner Seite Widerstand wie folgt festgelegt: Jegliche Form von aktivem Handeln gegen Befehle der Machthaber (in unserem Falle die Lageradministration etc.) sowie Nichteinhaltung der von den Machthabern aufgestellten Regeln und aktives Unterlassen und Nichtausführung von Handeln, das von den Machthabern angeordnet worden ist. Von unserer Position ist es aus den Quellen ohnehin schwer abzuschätzen, ob Widerstand im eigentlichen Sinne geleistet wurde oder nicht - nur zu oft ist uns die Intention, die zum Widerstand der handelnden oder unterlassenden Person führt unklar.

Selbst nach genauerer Betrachtung der Herkunft und des Lebensweges des Einzelnen können wir nur interpretieren, ob er aus religiösen, politischen oder anderen Überzeugungen dazu bereit war, Widerstand zu leisten oder schlichtweg den Widerstand als die einzige Möglichkeit sah, um sein Überleben zu sichern. Aber nicht nur sein Leben, auch sein Freitod - von ihm selbst gewählt und nicht von den Machthabern aufoktroyiert, kann im Rahmen der o. g. Arbeitsdefinition als eine Form von Widerstand gelten, vorausgesetzt man hat sich aktiv zu diesem Handeln entschlossen.

Diese breite Definition läßt auch die Erfassung von Grauzonen zu und ermöglicht dem Lesern selber ein Urteil zu bilden, in dem es die Phänomene beschreibt und nicht von vornherein ausschließt. Es vermag außerdem ein authentischeres Abbild der Realität zu liefern indem es den Handlungsrahmen aufzeigt, der auch in auch in totalitären Systemen zweifellos vorhanden war - selbst in den streng bewachten Mikrokosmen der Lager.

Im Mikrokosmos der Lager unterscheidet sich der Status und die Rechte der einzelnen Häftlingskategorien untereinander, es macht in manchen Fällen Sinn, die Formen des Widerstandes je nach Personengruppe zu untersuchen (z.B. Polithäftlinge, Verbrecher etc.). Ausschlaggebend bei der Betrachtung ist auch der Zeitrahmen, also das Jahr bzw. Jahrzehnt der Inhaftierung.

Sowohl das sowjetische Lagersystem als auch die Rechte der Inhaftierten, die Zusammensetzung der Lagerbevölkerung etc. variieren stark nach Zeitraum. Das Lagersystem macht seit seinen Anfängen 1922/23 unter der Herrschaft Lenins bis zur Ende der Stalinzeit 1953/54 mit den großen Lageraufständen eine ungeheure Entwicklung durch, die im Grunde genommen erst mit der Perestroika und der Auflösung der sowjetischen Politlager ihr Ende findet. Das Ende bezieht sich in erster Linie auf die Inhaftierungen. Die Standorte, Gebäude etc. wurden oft weiterhin zu Isolationszwecken verwendet und auch heute findet sich in der Russischen Föderation rechtlich die Unterscheidung zwischen Gefängnis- und Lagerhaft.

1.2 Die SLON - Solovecker Lager für besondere Bestimmung

Die ersten Lager der "Nördlichen Lager zur besonderen Bestimmung" entstanden im Jahre 1921 am Standort bereits bestehender Konzentrationslager auf dem Festland in Pertominsk, Cholmogory und in der Nähe von Archangelsk . Später wurden Lager in Kem' und auf den Soloveckij Inseln eingerichtet. Erst mit der Umsetzung der Hauptverwaltung (USLON) aus Archangelsk auf die Große Soloveckij Insel im Jahre 1923 spricht man von den Solovecker Lagern für besondere Bestimmung. Die gut funktionierende Klosterwirtschaft und deren Infrastruktur sowie die Abgeschiedenheit vom Festland waren ausschlaggebend für die Wahl des Standortes. Die Häftlinge, die auf den Soloveckij Inseln interniert werden sollten, wurden per Zug auf der Bahnstrecke St. Petersburg - Murmansk bis zur Station Kem' gebracht und sammelten sich im Kemperpunkt (Kemer Transitpunkt) um danach per Schiff vom Festland auf die Insel übergesetzt zu werden. Je nach Häftlingskategorie und Geschlecht wurden sie dort in den Klostergebäuden und Einsiedeleien untergebracht.

Es ist nicht die Aufgabe der vorliegenden Arbeit sich mit der Geschichte des sowjetischen Lagersystems als Ganzes zu beschäftigen, wenn bestimmte Zäsuren (beispielsweise hervorgerufen durch Reformen des Systems) auch immer Einfluß hatten auf das Auftreten spezifischer Formen von Widerstand. Eine detaillierte Darstellung würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Es läßt sich jedoch nicht vermeiden, den Leser zumindest in Bezug auf die Geschichte der SLON auf eine grundlegende Zäsur aufmerksam zu machen. Denn der "Große Umbruch - Bol'šoi Perelom" in der Sowjetunion machte sich auch auf den Solovki bemerkbar und kann als entscheidender Wendepunkt verstanden werden.

Der Besserungsarbeitsgedanke, der in der ersten Hälfte der 20er Jahre im Vordergrund stand, trat immer mehr in den Hintergrund und wurde verdrängt durch den Glauben an die volkswirtschaftliche Bedeutung der Zwangsarbeit. Dies führte zu einer schlagartigen Ausbreitung des Lagersystems auf dem Festland. Diese neu entstandenen Lager im Gebiet der gesamten Sowjetunion sind bereits dem Typus der Stalinschen Lager zu zuschreiben. Das Lager auf den Soloveckij Inseln mit seinem Schwerpunkt auf Isolation der Häftlinge verliert in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung. Neue Unternehmungen wie beispielsweise der Bau des Weißmeerkanals oder des Weißmeerkombinates (BBK) werden in den 30er Jahre in Angriff genommen und beschäftigen Tausende von Häftlingen. Das Lager auf den Inseln wird 1937 aufgelöst und umgewandelt in das Solovecker Gefängnis für besondere Bestimmung.

Da sich die vorliegende Arbeit in erster Linie mit den anfänglichen Jahren der Solovecker Lager beschäftigt, soll sich der Leser im folgenden Kapitel mit den Charakteristika der SLON vertraut machen. Erst durch die Kenntnis der Merkmale der "frühen Solovki" kann die thematische Brücke zum eigentlichen Thema des Widerstandes auf den Solovki geschlagen werden.

1.3. "Hier endet die sowjetische Macht, hier beginnt die Solovecker Macht" - Merkmale und Charakteristika der SLON in ihren Anfängen 1923-1928/29

In den frühen SLON ist die Existenz eines fast rechtsleeren Raumes zu konstatieren, eines Raumes, in denen die Gesetze erst geschrieben werden müssen. "Was die besondere Verwendung zu bedeuten hatte, war noch nicht beraten, durch die Instruktionen nicht fixiert. Dem Lagerkommandanten der Soloveckij Inseln, Eichmans, wird man es auf der Ljubjanka mündlich erklärt haben. Und er gab es, auf der Insel eingetroffen, an seine nächsten Gehilfen weiter." , schreibt Solschenizyn in seinem "Versuch einer künstlerischen Bewältigung" über die Solovki und hebt noch einmal vor, wie wenig fixiert das System zu dieser frühen Zeit des Lagersystems war: "[...] sie zeigen, wie lose das Solovecker Regime noch war, wie wenig vom System umpanzert. Man meint, in der Luft der Solovki eine seltsame Mischung von äußerster Härte und einer fast gutmütigen Ratlosigkeit zu spüren: Worauf läuft das hinaus?"

Folgende Merkmale sind für die erste Hälfte der 20er Jahre bezeichnend:

1) Der Isolationsgedanke

Gleichsam der Konzentrationslager der frühen 20er Jahre steht auch in den SLON der Isolationsgedanke an erster Stelle. Dies gilt im besonderen für die politischen Häftlinge, die von 1923-25 auf den Inseln interniert wurden (siehe Punkt 2.1). Der Isolationsgedanke in den Anfängen der SLON läßt sich vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass sich die bolševistische Herrschaft erst in ihrer Konsolidierungsphase befand und noch keine bessere "Lösung" im Umgang mit ihren vermeintlichen Gegnern gefunden hatte als deren Isolation.

2) Der Besserungsarbeitsgedanke und die "Umschmiedung" (Perekovka)

Im Sinne der kommunistischen Ideologie ging es den Machthabern vor allem darum, ein neues, moderneres Gesellschaftssystem zu entwickeln - die sowjetische Gesellschaft und den Sowjetmenschen. Ihr Rezept dazu war teilweise nicht die physische Ausmerzung der Gegner, sondern Umschmiedung des Feindes um ihn an das "Neue", das "Bessere" glauben zu machen. Nicht die Wirtschaftlichkeit der Zwangsarbeit stand im Vordergrund, sondern die Erkenntnis, dass mit Hilfe der Arbeit der Mensch zu einem besseren, "sowjetischen" Menschen werden sollte. Aber nicht nur Arbeit, sondern auch Kultur und Bildung standen als Mittel zur Durchsetzung dieser Ideale hoch im Kurs. Neben all der Grausamkeiten läßt sich eine gewisse Freizügigkeit in den ersten Jahren der SLON erkennen. Zwei Lagerzeitungen können erscheinen, die Gesellschaft für Landeskunde wird gebildet und das Solovecker Lagertheater steht in seiner Blüte. Diese Erscheinungen verlieren an Bedeutung wenn man sich vergegenwärtigt, dass sie rein programmatische Erscheinungen sind und von den Machthabern initiiert oder zumindest begrüßt wurden.

Von offenem Widerstand kann keine Rede sein, aber den Häftlingen standen in dieser anfänglichen Periode von 1923-1926 noch Lücken und Nischen zur Verfügung, um sich beispielsweise durch künstlerische Betätigung ihre Menschlichkeit zu bewahren - ne prevrašcat' v skotinu (sich nicht in Vieh zu verwandeln). Die Beurteilung dieser Phänomene fällt ambivalent aus: Einerseits werden die Akteure der Lagerzeitungen und des Theaters der Kollaboration mit der Macht beschuldigt , auf der anderen Seite kann man es als Versuche sehen, das Lager durch künstlerische Betätigung erträglicher zu machen und ein Gefühl der Stärke und Resistenz im Gegensatz zur "ungebildeten" Lageradministration zu vermitteln. Meines Erachtens würde es sich lohnen, diesen zweiten Gedanken zumindest nicht von vornherein auszuschließen um ihn in zukünftigen Forschungen genauer unter die Lupe zu nehmen nach Fragestellungen der Elemente von Resistenz. In der vorliegenden Arbeit kann dies leider nicht geleistet werden.

3) Die Zusammensetzung der Lagerbevölkerung

In den ersten Jahren befanden sich in den Lagern auf den Soloveckij Inseln in erster Linie drei Häftlingskategorien: Politische Häftlinge, sogenannte "Konterrevolutionäre" und Verbrecher. Als eigene Kategorie kann man vielleicht noch die "Religiösen" bezeichnen, die ebenfalls vorzugsweise auf den Solovki isoliert wurden. Die Verbrecher finden sich erst ab Mitte der 20er Jahren vermehrt auf den Solovki ein, was bedeutet, dass sich in den Anfangsjahren insbesondere politische Häftlinge (bis rund 500 Vertreter)und Vertreter der Intelligenzija auf der Insel befanden. Die Haftzeit betrug meist zwischen ein bis drei Jahre, konnte danach aber verlängert werden.

4) Die SLON als sozialistisches Experiment

Die frühen SLON zeichnet sich durch ihren experimentellen Charakter aus. Die Häftlinge der SLON waren sozusagen die Versuchskaninchen des Lagersystems - alles war später folgte, war auf der Erfahrung der SLON aufgebaut und wurde im Zuge der weiteren Ausdehnung des Lagersystems auf die gesamte Sowjetunion institutionalisiert und normiert. Jurij Brodskij unterstreicht diese Vorreiterfunktion der SLON "die Solovecker Lager für besondere Bestimmung wurden zur Keimzelle des Tumors mit der Bezeichnung Archipelag Gulag: Auf den Solovki wurde das System ausgearbeitet: die Normen für Essensrationen und Bewachung, für die Buchführung und Bekleidung, für Sprache und Beschränkungen der Freiheit, Arbeitseinsatz und -ausbeute sowie Formen der Ermordung und anschließenden Beerdigung..."

2. FORMEN DES WIDERSTANDES AUF SOLOVKI

2.1 Politische Häftlinge und Politregime

Politische Häftlinge hatten im Gegensatz zu allen anderen Häftlingskategorien einen Sonderstatus innerhalb des Lagers inne. In die Kategorie "Politische Häftlinge" wurden nur die Personen aufgenommen, die einer Partei angehörten, die bis zur Oktoberrevolution mit den Bol'ševiki für die Revolution kämpfte und im Zuge der Alleinherrschaft der Bol'ševiki nunmehr als deren Feinde galten. Dies trifft auf Mitglieder der Sozialrevolutionäre (SR), Sozialdemokraten (SD), Anarchisten, Menševiki und anderen kleineren Gruppierungen zu. Die Wurzeln des Politregimes gehen auf die Zarenzeit zurück, in welcher das Politregime rechtlich jedoch nicht vollends verankert war und dem damaligen Gefängnisregime ähnelte. Die Abschottung der politischen Gegner stand in der Zarenzeit im Vordergrund und auch nach der Oktoberrevolution stand die Isolation im Mittelpunkt der Bestrafung. Die Traditionen des Politregimes sind nach der Oktoberrevolution, wenn auch in veränderter Form auf Grund der politischen Umwälzungen, erhalten geblieben.

Die folgenden Sonderrechte wurden den politischen Häftlinge zugestanden:

Die Selbstverwaltung der politischen Häftlinge ist ein spezifisches Merkmal des Politregimes. Sie wurde erst möglich durch die vollkommene Isolation der "Politischen" von den anderen Häftlingen. "Stacheldraht und Wachtürme mit Aufsehern trennten die Sozialisten von den anderen Soloveckern. Sie durften nicht nach draußen, aber auch der Wache war es verboten, die Demarkationslinie zu übertreten" . Als Sprachorgan der politischen Häftlinge fungierte der Häftlingssprecher, Starosta genannt, der jeweiligen Fraktionen, der die Aufgabe hatte, die Unterredungen direkt mit der Lageradministration zu führen. Die Geschlossenheit und der Zusammenhalt der politischen Häftlinge durch die Selbstverwaltung wirkte sich positiv auf die Durchsetzung ihrer Rechte vor der Lageradministration aus. "Was bei den politischen Häftlingen der zwanziger Jahre noch in Erinnerung geblieben ist, war die Selbstverwaltung der Politischen und, daraus entstehend, das Gefühl, im Gefängnis ein Teil des Ganzen, ein Glied der Gemeinschaft zu sein. Die Selbstverwaltung [...] milderte den Druck des Eingesperrtseins auf den einzelnen, sofern alle standhielten, und vervielfachte jeden Protest durch den Einklang aller Stimmen."

Die politischen Häftlinge waren auch nicht zur Arbeit verpflichtet. Die Philosophie der Politischen zu dieser Frage wird in dem Kapitel "Kampf um das Politregime" des historischen Almanachs "Zven'ja" wie folgt erklärt: Die Arbeit diente in den Lagern zu erzieherischen Zwecken, zu Zwecken der Umschmiedung der Verbrecher oder Konterrevolutionäre. Die politischen Gefangenen jedoch sahen sich nicht als Gesetzesbrecher sondern als Opfer des im Lande herrschenden politischen Kampfes, in den sie selber involviert waren und von den Siegern - den Bol'ševiki - ihrer Freiheitsrechte beraubt wurden. In diesem Zusammenhang bedeutet die Arbeitsverweigerung ein Nicht - Annehmen der Schuldzuweisung und Abweisung der Notwendigkeit der Umschmiedung.

Die politischen Gefangenen durften Pakete empfangen , hatten das Recht Zeitungen zu abonnieren, Verwandtenbesuch zu empfangen , hatten freien Hofgang etc..

Diese Rechte jedoch waren nicht fixiert und es galt immer aufs neue um sie zu kämpfen.

Die ersten "Politischen" wurden ab 1922 in Archangelsk und Cholmogory, ab Frühling 1923 im Lager Pertominsk isoliert. Der Sozialistische Bote - das Zentralorgan der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Berlin widmete der Einrichtung des Lagers Pertominsk eine ganze Titelseite und prangerte massiv den Terror der Bol'ševiki an. Die Bol'ševiki wollten ihren Ruf bei den ausländischen Sozialisten und Sozialdemokraten nicht einbüßen. Die sozialistischen Zeitungen im Ausland wurden die Sprachrohre der politischen Häftlinge. Mit dieser Unterstützung war es ihnen leichter, ihre Forderungen an die Lagerverwaltung durchzusetzen. Die Forderungen waren meist an die Ausrufung eines Hungerstreiks geknüpft. "Den naiven Glauben an die Kraft des Hungerstreiks schöpften wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit und desgleichen - aus der Literatur der Vergangenheit. Hingegen stellt der Hungerstreik eine Waffe rein moralischen Charakters dar: Die Wirksamkeit ist überhaupt erst gegeben, wenn man voraussetzen kann, dass der Kerkermeister noch einen Rest von Gewissen besitzt - oder Angst vor der öffentlichen Meinung hat." Die politischen Häftlinge hatte zweifellos die ausländische Öffentlichkeit an ihrer Seite. Die Tatsache, dass die politischen Häftlinge zumeist Berufsrevolutionäre waren und einer gebildeten Schichte angehörten, die ihre Rechte sehr gut kannte, unterstütze ebenfalls den geschlossenen Widerstand dieser Häftingskategorie.

Im Sommer 1923 wurden alle politischen Häftlinge auf die Soloveckij Inseln versetzt und in der Savvatiev-Einsiedelei, später in noch zwei weiteren Klausen auf der Insel Anser und der Großen Muksalma untergebracht. Aber nicht nur ausländische Zeitungen berichteten regelmäßig über ihre Lebensumstände, über die Ausrufung von Hungerstreiks, die Durchführung von Selbstmorden, über Neuinhaftierungen und Entlassungen. Im Jahre 1925 wurde in London das Werk "Letters from Russian Prisons" publiziert, welches den Nördlichen Lagern zur besonderen Verwendung ein umfangreiches Kapitel widmete und aus heutiger Sicht ein essentielles Werk zum Thema "Widerstand" darstellt.

2.1.1 Ringen um die Sonderrechte - Widerstand der "Politischen"

Schon mit der Ankunft der politischen Häftlinge auf den Soloveckij Inseln begann ihr stetiges Ringen um die Sonderrechte. Dabei ging es in erster Linie um das 24-stündige Ausgangsrecht innerhalb des Territoriums, in dem die Polithäftlinge untergebracht waren. "The very first day we had to fight for the legalization of our right to walk about freely during all the twenty-four hours of the day within the confines of our tiny domain" .Die Frage des Ausgangsrechts sollte zu einer der größten Skandale in der Geschichte der Politregimes auf den Solovki werden.

2.1.1.1. Der 19. Dezember 1923 und seine Folgen

Am 19.Dezember 1923 rief der Lagerkommandant Nogtev die Vertreter der politischen Fraktionen zusammen. Zu diesem Zeitpunkt war den Häftlingssprechern bereits bekannt, dass eine Direktive aus Moskau eingetroffen war, die eine Verkürzung des Ausganges betraf. Man einigte sich darauf, dass man zwar keinen aktiven Widerstand leisten wolle, jedoch weiterhin ohne Einschränkung die Gebäude verlasse und die Moskauer Direktive nicht beachten wolle . Am 19.Dezember um 17.00 Uhr wurde die Aufforderung verlesen, dass der Ausgang der Häftlinge nur mehr bis 18.00 gestattet sei. Da die Versammlungen der politischen Häftlinge, in denen u. a. auch Direktiven verlesen wurden, normalerweise gegen 20.00 Uhr stattfanden, nahmen man auf Seite der politischen Häftlinge an, dass der Beschluß erst einen Tag später in Kraft trete. Und "selbst die, die von den neuen Bestimmungen wußten, hielten es für ihr Recht draußen zu sein, da die Zeitgrenze noch nicht erreicht war" . Kurz darauf wurde nach Vorwarnung von Rotarmisten und Cekisten das Feuer eröffnet und blindlings in die spazierende Menge geschossen. Im Zuge der Schießerei wurden fünf politische Häftlinge getötet, zwei verletzt.

Offizielle Darstellungen, wie beispielsweise der Bericht in der Zeitung Izvestija stellen den Fall lediglich als "traurigen Inzident" dar, andere Berichte wiederum, beispielsweise der auf der Titelseite des Sozialistischen Boten am 25. Februar veröffentlichte Hintergrundbericht, klagten die Lageradministration der Initiierung des Vorfalls zur Einschüchterung der politischen Häftlinge an. Die Häftlinge hätten nicht zuwider gehandelt, da die Zeitgrenze noch nicht erreicht war, der Beschuß hätte somit vorsätzlich stattgefunden. Nach der Aussage des früheren Mitarbeiters der OGPU A. Rošcin "verhöhnten die politischen Häftlinge die Aufseher auf den Wachttürmen des öfteren, gingen zu ihnen und schimpften auf sie...im Endeffekt führte das zu einer Tragödie... ". Von direkten Provokationen seitens der politischen Häftlinge ist uns wenig bekannt.

Die Beurteilung des Vorfalles aus heutiger Sicht fällt schwer, einerseits weil sich die Aussagen in den Zeitungsquellen je nach ideologischer Ausrichtung voneinander unterscheiden, den offiziellen Dokumenten wenig Glauben geschenkt werden kann und selbst die Erinnerungen und Zeugenberichte der politischen Häftlinge verschieden ausfallen. Eines ist jedoch sicher. Der Vorfall löste größte Empörung bei den politischen Häftlingen aus und im Zuge dessen regte sich mehr und mehr Widerstand.

Innerhalb der verschiedenen Fraktionen der politischen Gefangenen gab es nach dem Inzident Zwistigkeiten um das weitere Vorgehen. Im Gegensatz zu den Anarchisten waren die linken Fraktionen gegen die Ausrufung eines sofortigen Hungerstreiks . Nicht zuletzt, weil ein Hungerstreik ohne schlagende Unterstützung der ausländischen Presse aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem Mißerfolg führen würde. Man stellte somit offene Forderungen an die Untersuchungskommission und andere sowjetische Einrichtungen, schrieb Briefe an die sozialistische Internationale, den sozialistischen Boten etc..

In den 70er Jahren wurde im Zuge von Restaurierungsmaßnahmen der Savvatiev-Einsiedelei auf Solovki eine Dokumentenmappe gefunden , in der sich mehrere Manuskripte von Briefen, Aufrufen etc. befanden, die zwischen 1923-1924 an die o. g. Einrichtungen versendet worden waren. Unter diesen Dokumenten ist auch ein Aufruf an die Untersuchungskommission des ZIK SSSR vom 17.Januar 1924, in der die politischen Häftlinge Beschwerde einlegen über die nicht zureichende Aufklärung der Vorfälle des 19.Dezember 1923 und die am 10. Januar 1924 unter der Leitung von A.P. Smirnov gebildete Untersuchungskommission auffordern, Institutionen wie das Komitee zur Hilfe Politgefangener, die Sozialistische Internationale und die Amsterdamer Vereinigten Gewerkschaften in die Untersuchungskommission mit einzubeziehen.

Die Proteste ebbten nicht ab und flammten neu auf, als die Winterzeit und die Einstellung der Schiffahrt nahten. Überhaupt scheint die Abgeschiedenheit der Solovki der Knackpunkt zu sein, dessen sich die GPU bei der Einrichtung des Lagers natürlich bewußt war. Den politischen Häftlingen war die abgeschiedene Lage der Solovki von Anfang an ein Dorn im Auge. Schon vor der Verlegung auf die Solovki gab es heftige Proteste gegen die geplante Umsetzung. Nicht zuletzt weil man wußte, dass die GPU während der langen Wintermonate Willkür walten lassen konnte. Neuere Gerüchte über Verkürzung der Sonderrechte und die Erinnerung an die Vorfälle des Dezember 1923 führten zu einer Kumulation im Herbst 1924.

2.1.1.2 Der Hungerstreik im Herbst 1924

Wenn die offiziellen Stellen der Bol'seviki auch lange verneinten, dass es einen Hungerstreik im Herbst 1924 gegeben hat, so kann man anhand verschiedener literarischer Quellen davon ausgehen, dass der Hungerstreik stattgefunden hat. Ich habe mich entschieden, im Zweifelsfall den Opfern mehr Gehör zu schenken als den Tätern. Dass sich die Auswertung der Quellen zum Thema Widerstand auf Solovki aufgrund der unzureichenden Quellenlage als schwierig gestaltet, ist eingangs schon erwähnt worden. Die Dramatik des Problems jedoch soll anhand dieses konkreten Beispiels, des Hungerstreiks im Herbst 1924, für den Leser noch einmal aufgezeigt werden.

"Alle Fraktionen waren sich einig bei der gemeinsamen Verteidigung ihrer Sonderrechte, über die Methoden des Kampfes jedoch gab es Unklarheiten. [...] In allen drei Einsiedeleien aller Fraktionen kam man schließlich zum Entschluß, noch vor der Einstellung der Schiffahrt ein Aufforderung nach Moskau zu senden, mit der Forderung entweder alle politischen Häftlinge von den Solovki auf das Festland zu verlegen oder ihnen uneingeschränkt die Sonderrechte auf den Solovki zu gewähren. Die Fraktionen der Sozialrevolutionäre und der linken Sozialrevolutionäre drohten bei Absage mit der Ausrufung eines Hungerstreiks. [...] Einen Tag vor Ablauf der Frist kam Eichmans ins Lager und verkündete, dass aus Moskau die Absage eingetroffen sei. Der Hungerstreik begann: in allen drei Einsiedeleien hungerten Anarchisten, linke Sozialrevolutionäre und Sozialrevolutionäre.

Der Sozialistische Bote vom 10.November 1924 datierte den Beginn des Hungerstreiks mit 25.September und bestätigt die in den Erinnerungen Ekaterina Olickajas gestellten Forderungen. Er gibt als Grund für die Ausrufung des Hungerstreiks auch die Tatsache an, dass die lange versprochene Untersuchungskommission aus Moskau noch nicht eingetroffen sei. Nach Olickaja handelte es sich um einen 15-tägigen Hungerstreik, bei dem ab dem 13. Streiktag zusätzlich verkündet wurde, dass die Streikenden bei Absage ihrer Forderungen Selbstmord begehen würden. Der Hungerstreik wurde nach einer Unterredung zwischen Eichmans und dem Häftlingssprecher Bogdanov beendet, bei der man die uneingeschränkte Beibehaltung der Sonderrechte garantierte. "Die Sonderrechte bleiben erhalten. Die Polithäftlinge werden zu keinerlei Zwangsarbeit verpflichtet mit Ausnahme von Holzfällerarbeiten zur Beheizung ihrer eigenen Gebäudekomplexe. Formal war der Hungerstreik gewonnen ". Boris Sapirs Erinnerungen unterscheiden sich von den Aufzeichnungen Olizkajas. "Die Administration setzte ihre Politik, die Gefangenen zu quälen fort. Eine Reaktion auf diese Politik war der Hungerstreik von Anarchisten und Sozialrevolutionären, der vom 3. bis 4. Oktober 1924 dauerte und mit einem Mißerfolg endete" . Die Tatsache, dass ein Hungerstreik von 3.bis 4. Oktober stattgefunden hat, bestätigen sowohl die offiziellen Berichte der aus Bokij, Katan'jan und Krasikov bestehenden Kommission, als auch der in "Letters from Russian Prisons" gedruckte Zeitungsartikel aus der New Yorker "Nation" und der Bericht Boris Sapirs.

Erinnerungslücken, gefälschte oder gefärbte Dokumente, sich widersprechende Zeitungsberichte, Unklarheiten darüber, ob es sich um eine Zeugenaussage oder eine tradierte Erzählung handelt, die sich innerhalb des Lagers ausgebreitet hatte und nach dem Stillen - Post - Prinzip meist gleich in mehreren Varianten existierte, erschweren die Auswertung in höchstem Maße. Die tatsächlichen Vorgänge in den Lagern bleiben vernebelt, die Quellen schweigen zwar nicht zur Gänze, flüstern jedoch in verschiedenen Stimmlagen verschiedene Erzählungen, deren Wahrheitsgehalt nachträglich schwer einzuschätzen ist.

Zusätzliche Quellen können zur Hand gezogen werden, wie beispielsweise die Liste der Solovecker Polithäftlinge inklusive Haftdaten, Parteimitgliedschaft etc. der einzelnen angeführten Personen, deren Kopie in den 90er Jahren im Moskauer Memorial auftauchte . Jedoch stellt auch sie nur eine Rekonstruktion dar - teilweise basierend auf der Häftlingsliste, die im Sozialistischen Boten (15.12.1923) veröffentlicht wurde oder auf der Basis des von 233 Polithäftlingen unterschriebenen Lageberichtes über das Politregime im Sommer 1924 . Sapirs und Bogdanovs Namen tauchen als Unterschriften dieses Lageberichtes auf, Olizkajas nicht.

Auch mit Hilfe der zusätzlichen Dokumente kann nicht festgestellt werden, welcher Bericht nun mehr Wahrheitstreue aufweist. Laut des sozialistischen Boten vom 20.Dezember 1924 wurde der Hungerstreik durch die bereits erwähnte Kommission unterbrochen und ab 4.Oktober bis 18.Oktober von Sozialrevolutionären und Anarchisten weitergeführt, endete in Form eines 14-stündigen Gespräches mit Eichmans, bei denen die Forderungen durchgesetzt wurden. Ob sich der Bote auf der von Olickaja dargestellten Unterredung zwischen Eichmans und Bogdanov bezieht, kann allein mit Hilfe der vorliegenden Quellen nicht geklärt werden. Es kann sein, dass beide Berichte ihre Richtigkeit haben. Beispielsweise ist es möglich, dass in einer Einsiedelei schon früher ein Hungerstreik ausbrach oder später beendet wurde. Genauso gut kann es sein, dass die Berichterstatter unterschiedlichen Fraktionen angehörten. Olizkajas Einschätzung von einem "formalen Sieg" ist gleichbedeutend mit einer Niederlage, wie sie Sapir darstellt. Schließlich wurde der Forderung nach Verlegung auf das Festland nicht nachgekommen. Dies geschieht erst im Sommer 1925.

Im Juni 1925 wurde das Politregime auf den Soloveckij Inseln aufgelöst und alle Insassen entweder in den Gefängnissen am Festland untergebracht oder ihre Haftstrafe in Verbannungsurteile abgeändert.

Es ist anzunehmen, dass die endgültige Verlegung der Häftlinge von den Solovki auf das Festland zwar nicht ausschließlich, aber zumindest teilweise von den Häftlingen durch ihren regen Widerstand gegen die Herrschaft und den Terror der Bol'ševiki durchgesetzt wurde. Über die weiteren Gründe für die Umsetzung ist uns nichts bekannt.

Nach 1925 ist uns ebenfalls noch ein Versuch bekannt, bei dem Häftlinge politische Sonderrechte erlangen wollten . Im Sommer 1928 riefen die Anhänger der Partei Musavat (rund 300 Personen) einen Hungerstreik aus um den Status der Polithäftlinge zu erwirken. Leider ist uns über den Ausgang der Hungerstreiks nichts mehr bekannt. Man kann aber annehmen, dass die Forderungen nicht bewilligt wurden.

2.1.2 Der andere Blickwinkel

Noch ein Wort zu den Widerstandsaktionen der Polithäftlingen aus einer anderen Perspektive. Die Polithäftlinge waren bei den anderen Lagerkategorien durch ihr Auftreten nicht gerade beliebt und oftmals wurde ihnen vorgeworfen, einzig und allein zu ihren Gunsten zu kämpfen. "Die Politischen? Die waren irgendwie widerlich: die Nase hoch oben, immer im Abstand beim eigenen Häuflein, lauter Forderungen - um ihre Rationen und ihre Privilegien. Und andauernd gab' s Zank und Streit bei ihnen. [...] Diese fruchtlosen, endlosen, wenn nicht schon lächerlichen Disputationen...dieses Beharren auf Privilegien angesichts der Hungernden und Elenden. [...] Und plötzlich stoßen wir auch noch auf diesen Vorwurf: Warum haben die Sozialisten, sorglose Ausbrecher unter dem Zaren, im sowjetischen Gefängnis so schmählich schlapp gemacht? Warum saßen sie wie angenagelt? Im allgemeinen waren Ausbrüche und Fluchtversuche keine Seltenheit - doch wer erinnert sich, von einem flüchtigen Sozialisten gehört zu haben?"

Diese Einschätzungen haben durchaus ihre Richtigkeit. In der Tat kämpften die politischen Häftlinge nicht darum, die allgemeine Lage auf den Solovki zu verändern oder zumindest darauf aufmerksam zu machen, was ihnen, durch ihre Kontakte zur ausländischen Presse möglich gewesen wäre. So hoch sie auch ihre Freiheitsrechte schrieben, so wenig setzten sie sich für die allgemeinen Menschenrechte ein. Unterstützung wurde nur den Personen zugestanden, die sie als ihre Verbündeten ansahen - beispielsweise den Kronstädter Matrosen oder Studenten, die einer ihrer Fraktionen nahe waren. In diesen Fälle wurden Versuche eingeleitet die Anerkennung des Politregimes auf die o. g. Personenkreise auszudehnen.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die politischen Häftlinge auf den Solovki sicher die besten Instrumente zum Kampf um ihre Rechte besaßen und, neben den aus religiösen Gründe inhaftierten Häftlingen, den verbittertsten Widerstand gegen die bol'ševistische Herrschaft leisteten. Die Intensität des Widerstandes der "Politischen" als auch bestimmter Gruppen der "Religiösen" (nicht der russisch - orthodoxen Geistlichkeit!) gründet sich sowohl auf die Kraft ihrer Überzeugung (Ideologie, Religion etc.) als auch auf ihre Abgeschlossenheit von den anderen Häftlingen.

2.2. "Die Religiösen" - aus religiösen Motiven inhaftierte Gefangene

Die "Religiösen" stellen formal keine eigene Häftlingskategorie dar. Auf Grund ihrer Sozialisation und ihres Weltbildes bietet es sich jedoch an, sie als eigene Kategorie zu behandeln. Dabei ist auf die Religionszugehörigkeit zu achten - so gab es Vertreter der orthodoxen Kirche, aber auch Vertreter beispielsweise der katholischen Kirche oder Vertreter verschiedenster Sekten (aus Sicht der russisch - orthodoxen Kirche).

2.2.1 Die heilige Kraft des Ortes - Auswirkung auf das Verhältnis zwischen Geistlichkeit und den Bol'ševiki

Man muss den Leser nicht gesondert darauf hinweisen, dass Religion, Religiosität und Glaube auf den Soloveckij Inseln eine besondere Bedeutung hat. Ist doch alles, was auf den Solovki bis in die 20er Jahre des 19.Jahrhunderts existierte, mit der Geschichte des Klosters und der russisch - orthodoxen Kirche verbunden, in welcher ihrer Ausrichtungen auch immer. Die symbolische Bedeutung des Ortes, die möglicherweise über dem uns Faßbaren liegt, hat die Geschichte gleichsam bestimmt. Man sagt den Inseln eine direkte Verbindung zwischen dem Irdenen und dem Göttlichen nach. Viele Dinge lassen sich erst dadurch erklären, wenn man die starke symbolische Bedeutung des Ortes ins Gesichtsfeld rückt und sich bei der Interpretation der historischen Quellen darauf besinnt - auf das, was nicht in den Quellen geschrieben steht und trotz allem vorhanden ist. Wie ist es anders zu erklären, dass alte Mönche, von den Cekisten malträtiert, Gott dafür dankten, gerade an diesem heiligen Ort ihren Tod zu finden...

Es ist anzunehmen, dass sich auch die motiviertesten Cekisten der Schwierigkeit bewußt waren, aus einem altrussischen Geistlichen einen sowjettreuen Bürger zu schmieden. Das Verhältnis zwischen der Lageradministration und den "Religiösen" scheint zwiespältig zu sein. Einerseits trifft man auf Berichte (beispielsweise bei Solženicyn), dass seitens der Cekisten besonders harte Repressalien gegenüber Gläubigen und Priestern angewendet wurden, auf der anderen Seite scheint es so, als hätten russisch - orthodoxe Gläubige bis 1929 Sonderprivilegien auf den Solovki inne gehabt . Sie mußten ihre Haare nicht scheren lassen und durften ihre Kutten weiterhin tragen. Auch die Aufstellung von Ikonen und des ewigen Lichts war erlaubt. Auf den Soloveckij Inseln fanden täglich Gottesdienste statt. Auch wenn einzig Geistliche das Recht hatten diesen beizuwohnen, so ist es höchst erstaunlich, dass Gottesdienste überhaupt stattfinden konnten. So war es beispielsweise in den Lagern auf dem Festland schon lange verboten, Gottesdienste abzuhalten und jegliche Form der Ausübung der Religion wurde strengstens verfolgt.

Wie lassen sich die Ausnahmeregelungen zu erklären? Bei der Beantwortung dieser Frage begibt sich der Historiker auf rutschigen Boden - aus den Quellen läßt sich keine befriedigende Anwort finden. Man kann annehmen, dass sich sowohl die Tatsache, dass das Unterdrückungssystem noch nicht vollends ausgeprägt war unterstützend auf die liberale Umgangsweise mit der Geistlichkeit ausgewirkt hat als auch die abgeschlossene Lage der Insel und ihre religiöse Bedeutung. Wenn die Bol'ševiki die religiösen Symbole auch entehrt und zerstört hatten durch ihre Umfunktionierung in ein Zwangslager und Plünderung der Ikonen, so war die Allgegenwärtigkeit der religiösen Symbole weiterhin gegeben. Die Klostergemäuer - wenn auch ausgehöhlt - konnten nicht einmal die Bol'ševiki zerstören. Des weiteren trifft man auf seiten der russisch - orthodoxen Kirche auf wenig Widerstand, was wiederum mit der russisch - orthodoxen Glaubensphilosophie verbunden ist, in der das Leiden eine besondere Bedeutung trägt und die Auflehnung gegen das von Gott aufgetragene Schicksal gleich einer Auflehung gegen den Willen Gottes gilt. Jegliche Formen von Protesten, Flucht oder Arbeitsverweigerung treten nicht auf. Einzig die Missionierungstätigkeit der "Religiösen" wurde von den Cekisten unterbunden und bestraft.

Die Soloveckij Inseln galten außerdem als "Inseln des Todes". Es kam einer Ehre gleich auf der Erde des Sosimas und Savvatievs zu sterben. Da sich die Unterdrückungsmaßnahmen der Cekisten in erster Linie auf Angst vor Schmerz und Tod stützten, konnten sie bei der aus religiösen Gründen Inhaftierten schlicht und einfach nicht "greifen". Wer keine Angst vor der körperlichen Auslöschung hat und vor Qualen nicht zurückschreckt, der ist gleichsam "immun" dagegen.

2.2.2. Widerstand der Sektanten - Auflehnung gegen den "Antichrist" in Form der Bol'ševiki

Im Gegensatz zu den russisch - orthodoxen Häftlingen ist bei Häftlingen der sogenannten "Sekten" zumeist heftigster Widerstand zu verzeichnen. Die sogenannten Sektanten weigerten sich für die Bol'ševiki zu arbeiten (...für den Antichrist zu arbeiten), weigerten sich ihre Namen und Daten zu nennen etc. Einige der uns bekannten Erinnerungen geben Auskunft über die Sektanten und deren Schicksal, darunter Oleg Volkov oder Nikonov - Smorodin, aber auch Solženicyns Archipel Gulag. Ein beeindruckendes Bild liefert der kurze Aufsatz eines unbekannten Autors, der über die Ankunft mehrerer Dutzend weiblicher Sektanten im Sommer 1929 berichtet, die sich auch nach heftigsten Repressionen weigern, über ihre Person Auskunft zu geben und Zwangsarbeit zu leisten. Besonders interessant ist doch das darin beschriebene Vorgehen der Lageradministration. Laut des unbekannten Autors (der mit großer Wahrscheinlichkeit Arzt war), brachte man die rund 30 weiblichen Sektanten zum Arzt, der ihnen Atteste ausstellen sollte um sie als arbeitsfähig einstufen zu können. "Sie haben uns vertrauensvoll erklärt, man solle die Sektanten untersuchen mit einer Anspielung darauf, sie als arbeitsunfähig einzustufen um eine offizielle Grundlage dafür zu haben, um sie von der körperlichen Zwangsarbeit zu befreien" . Im weiteren gibt der Autor darüber Auskunft, warum sich die Lageradministration zu diesem Handeln entschloß: "Es war vollkommen unklar warum man die aufständischen Sektanten nicht nach Anser verlegte. Wir fragten danach den ärztlichen Leiter des Lazaretts. Dieser erklärte uns, dass der schweigende Protest der Sektanten in keiner Weise dem Protest ähnlich sei, mit dem es die Administration normalerweise zu tun hätte und der sich in den meisten Fällen in Skandalen, Schreien und Vandalismus ausdrückte. Und hier hatte man es mit Schweigen, Einfachheit und Sanftmut zu tun. - Sie sind fanatische Märtyrer, die das Leiden suchen, irgendwelche Psychopathen - Masochisten. Man hat Mitleid, ich kann das nicht sehen, und nicht nur ich allein, auch Vladimir Egorovic (Leiter des Lagers). Dieser hat sich sogar mit dem der Untersuchungsabteilung gestritten. Wenn wir sie als unfähig zur körperlichen Arbeit einstufen, dann können sie in Ruhe gelassen werden ". Laut des Autors jedoch weigerten sich die Sektantinnen weiterhin Zwangsarbeit zu verrichten und stimmten erst zu, als ihnen erlaubt wurde, abgeschlossen von den anderen Häftlingen zusammen zu arbeiten, Psalmen zu singen.

Es ist zweifelhaft, inwiefern man den Einzelheiten dieses Berichts Glauben schenken kann. Nicht anzuzweifeln ist jedoch die Tatsache, dass es in den Jahren 1928-1930 mehrere Dutzende dieser Sektanten im Solovecker Lager inhaftiert waren und die Lageradministration mit dieser Häftlingskategorie nicht umzugehen wußte. Alle Autoren beschreiben die Nachdrücklichkeit des Widerstandes und die Standhaftigkeit der Sektanten.

2.3. Widerstand mit den Füßen - Flucht aus den Solovecker Lagern

2.3.1 Möglichkeiten und Einschränkungen der Auswertung der literarischen Quellen zum Thema Flucht

Bei der Untersuchung des Phänomens muß man erneut berücksichtigen, dass die Quellenlage unter Umständen ein einseitiges Bild liefern kann. Offizielle Dokumente über Fluchtversuche aus den Soloveckij Inseln existieren so gut wie nicht. Aus Mangel an Dokumenten können wir nachträglich nicht feststellen, wie viele Fluchtversuche es gegeben hat, wohin diese führten und wie viele davon tatsächlich gelangen.

Die einzigen Quellen, auf die sich die Autorin stützen konnte, waren die literarischen Quellen, vorzüglich von den Personen, denen es gelang über die zum damaligen Zeitpunkt rund 300 km von Kem' entfernte sowjetisch - finnische Grenze zu fliehen, und anschließend in ihren Erinnerungen darüber berichteten. Zu diesem ausgewählten Personenkreis zählt man die Flucht des Generals I. M. Zajcevs , die Flucht der Brüder Solonevich , der Intelligenzija-Familie Cernavin , den ehemaligen Cekisten Kiselev-Gromov , die fünf-köpfige Gruppenflucht von Mal'sagov, Bezonov, Pribludin, Sasonov und Mal'brodskij sowie A. Klinger Ob und wie viele weitere Personen von den Solovki ebenfalls über die sowjetisch - finnische Grenze flüchteten, ließe sich unter Umständen in finnischen Archiven und Zeitungsarchiven recherchieren.

Es würde den Rahmen der Arbeit sprengen Einzelheiten über den Ablauf der Flucht der o. g. Personen zu geben. Viel wichtiger erscheint es, die einzelnen Fluchtversuche miteinander zu vergleichen um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen.

2.3.2. Flucht aus den Solovecker Lagern für besondere Bestimmung - eine vergleichende Analyse

Wenn man die Erinnerungen nebeneinander stellt, dann läßt sich feststellen, dass allen Fluchtversuchen ein genauer Plan zu Grunde liegt. Wir haben keine Aufzeichnungen von gelungenen Fluchtversuchen, bei denen der Flüchtende sozusagen einzig und allein die "Chance eines geeigneten Moments" wahrgenommen hatte. Es hat mit Sicherheit derartige Fluchtversuche gegeben, die Wahrscheinlichkeit dabei wirklich aus dem Lager zu entkommen, kann jedoch als gering eingeschätzt werden.

Entgegen der verbreiteten Meinung, dass die Soloveckij Inseln durch ihre abgeschlossene Lage absolut sicher waren, hat es auch Fluchtversuche direkt von den Solovecker Inseln gegeben und nicht nur aus Einrichtungen auf dem Festland. Von der Großen Soloveckij Insel fanden die Flüchtenden meist den Weg an das karelische Ufer des Weißen Meeres, von der Großen und Kleinen Muksalma zum östlichen oder südöstlichen Ufer . Ohne Zweifel waren die Erfolgschancen vom Festland aus um einiges höher als von den Inseln über das Weiße Meer mit gekapertem Boot, selbstgebautem Floß oder mit falschen Papieren. Im Winter war das Weiße Meer zugefroren und man konnte über die Eisdecke fliehen. In den meisten Fluchtfällen bemühte man sich jedoch darum, nicht direkt von den Inseln fliehen zu müssen sondern die vorhergehende Versetzung von der Insel zu beantragen, beispielsweise im Rahmen von Holzarbeiten in eine Lagerabteilung am Festland. Neben der Flucht ins Ausland sind uns auch Fälle der Flucht ins Innere der Sowjetunion bekannt , in dessen Anschluß die die Flüchtenden untertauchen. Aufzeichnungen gibt es in diesem Falle natürlich keine.

Die Flucht vorzubereiten galt als schwierig, mußte doch ein Fluchtplan ausgearbeitet werden, der auf die dürftigen Bedingungen und die Möglichkeiten des Lagerlebens abgestimmt war. Der erste Schritt war in einigen der Fälle die Kontaktaufnahme zwischen den Häftlingen. Durch die allgemeine Atmosphäre des Mißtrauens in den Lagern war es riskant einen Fluchtgedanken auszusprechen. Das Risiko auf einen Spitzel zu treffen, hatte fatale Folgen, so die Verurteilung nach Paragraph 82 für Flucht und oftmals noch ein weiteres Delikt wie Paragraph 59.3 für Banditismus. Beides konnte mit Erschießung geahndet werden. Bezonov beschreibt in seinem Bericht die Kontaktaufnahme mit Mal'sagov wie folgt: "Ich habe sie (die Mithäftlinge, Anm. d. Verf.) ausgefragt über ihr Leben, ihre Arbeit, die Spielregeln auf den Solovki, und obwohl ich so geneigt war, über das Thema Flucht zu sprechen, habe ich mich nicht konkret an das Thema herangetastet. Ich wußte, daß man an dergleichen nicht einmal zu denken hatte! Ein wenig konnte ich herausfinden, nämlich das alle diese Versuche bisher erfolglos verlaufen sind".

Bei den Vorbereitungen ging es in erster Linie darum für einen geeigneten Fluchtpunkt zu sorgen, sowie sich mit Nahrung, ausreichender Kleidung und gutem Schuhwerk zu versorgen. Nach Möglichkeit auch einen Kompaß, eine Karte oder gefälschte Papiere und Waffen zu beschaffen. Die meisten dieser Gegenstände konnten intern im Lager erstanden bzw. getauscht werden, in einigen Lagerabteilungen hingen Karten und es konnten Skizzen angefertigt werden, der eine oder andere hatte einen Kompaß versteckt etc. Der Besitz eines Kompasses konnte bei der Flucht über Leben und Tod des/der Flüchtenden entscheiden. Einer der Mitstreiter der fünfköpfigen Gruppenflucht hielt einen Kompaß in einem Stück Seife aufbewahrt und wurde aus diesem Grund von Bezonov ausgewählt. Auch Tat'jana Cernavina äußert sich in ihren Memoiren zum Besitz eines Kompasses. "Wo ist der Kompaß? Er ist nicht da. Ich wurde von einer schicksalhaften Angst ergriffen. Ich weiss doch, dass ich ihn hierher gebracht habe. Ein Kompaß - das ist ein furchtbarer Gegenstand in den Händen eines Gefangenen. Wenn er gefunden wird, dann bedeutet das den sicheren Tod durch Erschießung. Für die GPU ist der Besitz eines Kompasses ein unwiderlegbares Zeichen dafür, dass eine Flucht vorbereitet wird. "

Es gleicht einem Wunder, dass es der Familie Cernavina gelang über die sowjetisch - finnische Grenze zu fliehen. Ihre Chancen hatten sich dadurch erhöht, weil nur V. Cernavin in der SLON inhaftiert war und seine Frau Tat'jana samt Kind alle Fluchtvorbereitungen in Freiheit treffen konnte, darunter ausreichende Versorgung mit Nahrung.

Der Weg durch die Sümpfe und Wälder Kareliens war schwer und konnte im großen und ganzen nur in den Sommermonaten geschafft werden. Es gelang in den meisten Fällen nur denen zu fliehen, die ausreichend Erfahrung mit den Naturgewalten hatten oder aber Kampferfahrung und die notwendige Selbstdisziplin. Wenn man die Biographien der Flüchtenden betrachtet, so ist dies beim Großteil der Fall. Mal'sagov war inguschetischer Reiteroffizier, Bezonov ehemaliger Weißgardist, V. Cernavin hatte ausreichend Expeditions- und Hafterfahrung, Boris Solonevich war Pfadfinderführer und Schwergewichtler etc..

Der Überlebenswille hielt die einzelnen Individuen zusammen. Bei der Gruppenflucht scheint es vor allem die militärische Disziplin und hierarchische Gliederung zu sein, die sich positiv auf den Fortgang der Flucht auswirkte. Man übergab Bezonov, einem tief religiösen Mann, das Kommando, der auch unter Einsatz von Tötungsdrohungen die Gruppe vorantrieb und keine Müdigkeit zuließ. Im Falle der Familie Cernavina stand die gegenseitige Fürsorge der Partner im Vordergrund und die gemeinsame Sorge um das Kind, an dem das Paar Halt fand um die Strapazen zu überwinden.

Über Fluchtvorbereitungen, die in Zusammenarbeit mit einer möglicherweise korrupten Lageradministration etc. stattfanden, finden wir in den Berichten wenig Auskunft. Kiselev-Gromov war ein auf die Soloveckij Inseln strafversetzter Cekist. Inhaftierten Cekisten, die meist als Bewachungspersonal eingesetzt wurden und nur in seltenen Fällen Zwangsarbeit verrichten mußten, hatten Sonderrechte innerhalb des Lagersystems. Kiselev-Gromov (auch Karpoff), Mitarbeiter des ISO, der Informations- und Untersuchungsabteilung der OGPU auf den SLON war, gelang es, sich an einen nahe der sowjetisch - finnischen Grenze gelegenen Außenposten versetzen zu lassen und flüchtete unter dem Vorwand auf die Jagd gehen zu wollen, ins finnische Ausland. Seine Flucht bzw. Überlauf ist durch seine Stellung mit den Bedingungen der Flucht eines regulären Häftlings nicht vergleichbar. A. Klinger flüchtet mit falschen Dokumenten aus dem SLON, seine Flucht beschreibt er in seinen Aufzeichnungen nur in ein paar Sätzen. "Aus bestimmten Gründen, über die sich der Leser wahrscheinlich im klaren ist, bin ich nicht in der Lage zu beschreiben, wie ich meine Flucht vorbereitet und durchgeführt habe. Zu viele Details könnten dort in meinem Rußland vielen Personen schade. Ich sage nur, dass ich mir, nachdem ich mir den Bart abrasiert hatte, den ich im Lager getragen habe, mit falschen Dokumenten aus Kem' mit der Eisenbahn nach Murmansk gefahren bin, dort einige Zeit verbracht habe, mich eingekleidet und ein wenig Geld beschafft. Aus Murmansk bin ich in der Kleidung eines Ingenieurs Richtung Süden gefahren weit nach Kem' um von dort zu Fuß wieder nordwärts zu wandern zur Grenze Finnlands. Die Grenze zwischen Sowjetrußland und Finnland habe ich am 16.Dezember 1925 überquert.

Des weiteren gab es im Jahre 1928 mehrere voneinander unabhängige Versuche , von den Soloveckij Inseln und von Muksalma zu fliehen. Darunter in einem Falle per Ruderboot, wobei mit den Aufsehern der Anlegestelle auf der Große Muksalma kollaboriert wurde, wie aus den Zeugenaussagen ersichtlich ist. In den anderen Fällen wurden die Boote gekapert. Alle Flüchtigen konnten gestellt werden. Für die Lagerverwaltung war die Tatsache, dass innerhalb kürzester Zeit mehrere Gruppe über das Weiße Meer fliehen konnten, gleichzusetzen mit Versagen und Rufschädigung vor der Moskauer Zentrale. Da alle Flüchtigen nicht - russischer Herkunft waren, entschloß man sich dazu, die gestellten Personen nicht der Flucht, sondern einer internationalen Verschwörung anzuklagen und zum Tode zu verurteilen.

Schwer einzuschätzen bleibt die Zahl der Flüchtenden aus dem Solovecker Lager als auch die Informationen darüber, welche Maßnahmen nach Entdeckung einer Flucht seitens der Lageradministration ergriffen wurden. Einzig und allein in Cirkovs Aufzeichnungen finden sich Hinweise darauf. "- Ein Fluchtversuch wurde verzeichnet. Die Sirene des Umspannwerkes ertönte, das Zeichen, dass man den Wächtern am Ufer gab. Das Flugzeug ist aus dem Grund geflogen um die See zu überwachen. Gleich kommt die Durchzählung. Sie haben uns abends und nachts überprüft, durchgezählt nach den Daten (Nachname, Vorname, Vatersname, Geburtsjahr, Haftparagraph, Haftdauer etc.). Tagsüber führte man uns unter verstärkter Bewachung in die Banja und dort haben wir erfahren, dass es sich um eine Flucht aus dem Politisolator handelte und der Flüchtige noch nicht festgenommen werden konnte "

Zusammenfassend läßt sich feststellen, dass die Zahl der Flüchtenden im Laufe der Existenz des Solovecker Lagers steigt und die Flucht zu einem nicht mehr außergewöhnlichen Phänomen wird. Dies hängt zusammen mit der Ausbreitung des Lager auf dem Festland, dem Bau des Weißmeerkanals, dessen Lager ebenfalls der SLON zugerechnet wurden, als auch mit der steigenden Zahl an Insassen.

2.4 Weitere Formen des Widerstandes

Es sind noch weitere Ausdrucksformen des Widerstandes in den literarischen Quellen erwähnt. Der Verfasserin geht es in erster Linie darum, die Phänomene zu erfassen und zu beschreiben. Eine umfassende Auswertung würde den Rahmen der Arbeit sprengen.

2.4.1. Gesang und Symbolik

Vor allem in den Erinnerungen politischer Häftlinge finden wir Hinweise darauf durch welche Verhaltensweise und Sprache sich die Gruppe von den anderen Häftlingen und der Verwaltung abgegrenzt hat. Dazu gehören einerseits die Verwendung bestimmter Symbole, wie beispielsweise Fahnen, aber auch der gemeinsamer Gesang der Revolutionslieder. "Nichts kann ich mit dem tiefen Eindruck vergleichen, den ihr gemeinsamer Chorgesang der Revolutionslieder in mir machte". Boris Sapir beschreibt ähnliches über das Begräbnis der im Zuge des Vorfalles vom 19.Dezember 1923 (siehe Punkt 2.1.1.1.) erschossenen politischen Häftlinge. "[...] Man erlaubte die Bestattung innerhalb der Gitter, aber "ohne Reden", wie es die Lagerverwaltung festlegte. [...] Morgens dann das Begräbnis. Die Gesichter der Ermordeten sind zu sehen. Die Särge geschmückt mich Tannenzweigen, an den Wänden die Flaggen aller Fraktionen der Einsiedelei - drei rote und die schwarze der Anarchisten...die Flaggen sind genäht aus Lappen, die einem gerade in die Finger kamen. [...] Lange schaufelt man Erde, dann hat auch das ein Ende. Es werden "Vy zhertvoju pali v bor'be rokovoi" und das "Cernoe znamja" der Anarchisten".

2.4.2. Tufta

Bei der Tufta handelt es sich weniger um Widerstand als um Überlebensstrategie. Tufta bedeutet soviel wie "So-tun-als-ob". Der Beherrschte führt das, was der Beherrschende von ihm fordert nicht in der Form aus, wie es von ihm verlangt wird. In den meisten Fällen bezieht sich dies auf Simulation und andere Formen des Sich - Verweigerns. "Die Tufta - das sind unzählige Formen der Betrügerei um weniger arbeiten zu müssen und gleichzeitig mehr an Nahrung und Geld zu bekommen" äußert sich Michail Rozanov zu diesem Terminus.

2.4.3. Das Kartenspiel

Die Verbrecher im Lager lebten nach den Prinzipien des Glücksspiels. Auf ihre Lebensweise griff der Unterdrückungsmechanismus nicht, die Entscheidung über Leben und Tod lag in den Händen der Verbrecher, die es auch nicht scheuten, ihre Kämpfe mit Messern untereinander auszutragen. Durch ihre Lebensweise und ihren eigenen Ehrenkodex hielten sie sich nicht an die allgemeinen Lagerregeln. D. S. Lichacev beschreibt das Kartenspiel in seinem 1930 in der Zeitschrift "Soloveckie Ostrova" publizierten Aufsatz "Das Kartenspiel der Verbrecher" als die Form des Widerstandes im Lagerleben. Beim Kartenspiel ging es in erster Linie um dessen kommerziellen Charakter, es war das Instrument, mit dem man sich innerhalb des Lagers das Nötigste beschafften konnte (von zusätzlichen Nahrungsrationen bis hin zur Winterkleidung, Tabak etc. ). Auf diese Weise wurden die von der Lageradministration geschaffenen Regeln untergraben und ein auf Glück, Schicksal und Gewalt basierendes, gut funktionierendes System innerhalb des Lagersystems erschaffen. Das Kartenspiel gewährleistete dem Verbrecher, der ein Meister darin war, einen hohen Rang innerhalb dieser Rangordnung. "Schnelle" Kartenspiele, die leicht abgebrochen werden konnten, wurden bevorzugt gespielt gegenüber langsamen Kartenspielen oder Würfelspielen.

2.4.4. Botschaften und Inschriften

Laut Kisselew-Gromow wurden von den Häftlingen, die Holzfällerarbeiten verrichten mußten, unter anderem Särge und Kreuze in das Exportholz eingeritzt, um einen Kaufboykott zu erwirken. Rozanov schreibt: "[...] Gold stinkt nicht und du schreibst darauf auch nicht mit Blut "Helft uns! - Wir sterben", wie es die Solovecker Gefangenen auf das Holz für England in den Jahren 1928-1930 gemacht haben." Es ist anzuzweifeln, dass es solche Aktionen, zumindest in organisierter Form, gegeben hat. Es erscheint aber möglich, dass in einzelnen Fällen derartige Zeichen und Symboliken übermittelt wurden.

Andere Inschriften Gefangener, die zur internen Kommunikation mit den Häftlingen benutzt wurden, finden sich auch heute noch auf den Solovki, beispielsweise in der Kapelle auf dem Axtberg als auch auf dem Brunnen auf der Insel Anser.

KURZZUSAMMENFASSUNG

Ohne Zweifel traten vielfältige Formen des Widerstandes im Solovecker Lager für besondere Bestimmung in all ihren Schattierungen auf. Bestimmte Formen des Widerstandes sind je nach Häftlingskategorie vermehrt zu verzeichnen, was in erster Linie mit dem Status der Häftlingskategorie gegenüber der Lagerverwaltung oder der Stellung innerhalb der Lagerhierarchie in Zusammenhang zu sehen ist. Je abgegrenzter und geschlossener eine Häftlingskategorie war, desto erfolgreicher und vehementer der Widerstand. Das Auftreten des Widerstandes unterscheidet sich ebenfalls nach zeitlicher Periode bzw. Entwicklungsstadium des Solovecker Lagers, was einerseits mit den sich verändernden Haftbedingungen in Verbindung steht, aber auch mit der sich wandelnden Lagerbevölkerung im Laufe der Existenz des Solovecker Lagers. Die Entwicklungen des Lagers, aber auch des sich regenden Widerstandes, spiegeln dabei die verschiedenen Tendenzen der Entwicklung in der Sowjetunion wieder.

LITERATURVERZEICHNIS

  • G.A.Andreev, Soloveckie ostrova, In: Grani 8, 1950, S.42-90
  • Bezonov', Dvadcat šest tjurem i pobeg s Solovkov (Paris 1928) [Zitat: Bezonov, Pobeg]
  • V Bor'be za politrežim. Predislovie k razdelu, in: Zven'ja, Istoriceskij al'manach, vypusk 1 (Moskva 1991) S. 239-244
  • Tat'jana Cernavina, Pobeg iz GULAGa (Moskva 1996) [Zitat: Cernavina, Pobeg]
  • Ju.I. Cirkov, A bylo vse tak...(Moskva 1991)
  • D.J. Dallin/Boris Nicolaevsky, Arbeiter oder Ausgebeutete. Das System der Arbeitslager in Sowjetrußland (München 1948) [Zitat: Arbeiter oder Ausgebeutete]
  • V.V.Iofe, Bol'šoi Soloveckij pobeg 1925 goda, In: Karta [noch nicht veröffentlicht]
  • V.V. Iofe, Bol'šoi pobeg 1928 goda (Muksalma), in: Soloveckie ostrova, tom 2 - Ostrov Bol'šaja Muksalma (=Trudy Morskoj arkticeskoj kompleksnoj ekspedicii pod obšcej redakciej P.V. Bojarskogo, vypusk 9, Moskva 1996), S.215-217 [Zitat: Iofe, Pobeg 1928]
  • O.I. Jasevic, Iz vospominanii, In: Pamjat', Istoriceskij sbornik, Vypusk 1 (Moskva 1976), S.93-158
  • Soloveckaja katorga, Zapiski bežavsego A. Klingera. In: Archiv russkoj revoljucii 19, Berlin 1928 (Reprint Paris 1970) [Zitat: Zapiski bežavsego]
  • N.J. Kisselew (Gromov), Die Totenlager der UdSSR (Karlsbad-Leipzig 1938)
  • M. M. Korallov (Hrsg.), Teatr GULAGa. Vospominanija. ocerki (Moskva 1995)
  • Natalia Kouziakina, Theatre in the Solovki Prison Camp (=Russian Theatre Archive 3, 1995)
  • Letters from Russian Prisons (London 1925)
  • D.S. Lichacev, Stat'i rannych let (Tver' 1993)
  • Sozerko Mal'sagov, Adskie ostrova. Sovetskaja tjur'ma na Dal'nem Severe (Alma Ata 1991) [Übersetzung der englischen Ausgabe "An island hell" von 1926] [Zitat: Mal'sagov, Adskie ostrova]
  • A.Mel'nik/A.Sošina, Zajavlenija politzakljucennych Pertominska i Solovkov (1923/24), in: Zven' ja, Istoriceskij al'manach, vypusk 1 (Moskva 1991) S. 245-251
  • O. Markova, Ekaterina Pavlovna Peškova i ee pomošc' politzakljucennym, In: Pamjat', Istoriceskij sbornik, Vypusk 1 (Moskva 1976), S.313-324
  • Irina A. Reznikova, Materialy k istorii lagernogo perioda Muksalmy (1923-1939 gg.) in: Soloveckie ostrova, tom 2 - Ostrov Bol'šaja Muksalma (=Trudy Morskoj arkticeskoj kompleksnoj ekspedicii pod obšcej redakciej P.V. Bojarskogo, vypusk 9, Moskva 1996) S. 29-34
  • Irina. A. Reznikova, Duchovnaja i cerkovnaja žisn' na Solovkach. 1920-1930 gg. (keine weiteren Angaben)
  • M. Rozanov, Zavoevateli belych pjaten (Limburg/Lahn 1951) [Zitat: Rozanov, Zavoevateli]
  • Igor P.Smirnov (Hrsg.), Dmitri S. Lichatschow. Hunger und Terror. Mein Leben zwischen Oktoberrevolution und Perestroika (Ostfildern vor Stuttgart 1997)
  • Alexander Solschenizyn, Der Archipel Gulag. 1918-1956 Versuch einer künstlerischen Bewältigung (15.Auflage Reinbek bei Hamburg 2001) [Zitat: Archipel Gulag 1]
  • Alexander Solschenizyn, Der Archipel Gulag 2. Folgeband. Arbeit und Ausrottung. Seele und Stacheldraht (59.-61 Tausend, Reinbek bei Hamburg 1999) [Zitat: Archipel Gulag 2]
  • Ralf Stettner, "Archipel GULag": Stalins Zwangslager - Terrorinstrument und Wirtschaftsgigant. Entstehung, Organisation und Funktion des sowjetischen Lagersystems 1928-1956 (Paderborn u.a. 1996) [Zitat: Stettner, Stalins Zwangslager]
  • Socialisticeskij vestnik. Zentralnyi Organ Rossijsk. Social-Demokrat. Rabocej Partii (Herausgabeort Berlin), Jahrgänge 1923-25 [Zitat: Sozialisticeskij vestnik]
  • Semen Samuilovic Vilenskij (Hrsg.), Soprotivlenie v GULAGe. Vospominanija. Pis'ma. Dokumenty (Moskva 1992) [Zitat: Vilenskij, Soprotivlenie]
  • E.B.Žemkova/A.B.Roginskij, Soloveckie politskity. Spisok zakljucennych (1925), In: Zven'ja, Istoriceskij al'manach, vypusk 1 (Moskva 1991) S.252-287