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Solowki - Laboratorium der Extreme
von
Karl Schlögel
Kaum jemand
außerhalb Rußlands kennt Solowki. Kein Wunder.
Es handelt sich um eine Inselgruppe im hohen Norden, nur 160
Kilometer vom Polarkreis entfernt, in einem toten Winkel Europas.
Die meiste Zeit des Jahres liegt der Archipel im Dämmerlicht,
im Herbst und Winter wird es sogar nur für zwei Mittagsstunden
hell. Es ist als ob der im Dunkel liegende Ort sich den Blicken
der Außenwelt entzöge. Dafür ist es in den
Sommermonaten hell, 24 Stunden lang ohne Unterbrechung. Die
Sonne geht nicht unter. Dann tritt die Inselgruppe im Weißen
Meer strahlend aus dem Dunkel hervor. Sie holt in den kurzen
Sommermonaten in doppelt-dreifachem Tempo nach, was in gemäßigteren
Breitengraden sich Zeit nehmen kann: die Polarwiesen blühen
auf, Mensch und Getier tun es der Sonne gleich: sie scheinen
des Schlafs nicht mehr zu bedürfen und sind auch gegen
vier Uhr früh noch unterwegs. Für einige Wochen
leuchtet der Himmel, es duftet, Beluga-Wale springen Delphinen
gleich über die Wasseroberfläche, Seehunde liegen
im Wasser und sonnen sich. Mediterrane Landschaft am Polarkreis.
Aber das ist noch nicht alles. Wer sich der Insel nähert,
die etwa 40 Kilometer vom Festland entfernt liegt, wähnt
am Horizont eine Fata Morgana: eine grandiose, aus rundgeschliffenen
Findlingen errichtete, von monumentalen Ecktürmen markierte
Festungsanlage, über der sich ein Gewirr von strahlendweißen
Kirchen, Glockentürmen und silbrig schimmernden Kuppeln
erhebt. Das ist Solowki, die legendäre Klosterinsel im
Weißen Meer. Aber wir gehören nicht zu den Glücklichen,
die nur ihren Augen trauen dürfen. Solowki ist in Rußland
jedenfalls auch der Name für etwas ganz Anderes: die
Geburtsstätte des Gulag, seine Experimental- und Embryonalphase
gewissermaßen. Alexander Solschenizyn hat Solowki das
"Auschwitz am Polarkreis" genannt. Solowki ist der
Name für ein schreckliches Wunder, ein vorgeschobener
Posten der europäischen Zivilisation - ihres Glanzes
und ihrer tiefsten Erniedrigung.
Rein technisch
gesehen ist die Insel am Rande der Welt gar nicht so schwer
zu erreichen. Man fliegt nach Sankt Petersburg und nimmt den
Nachmittagszug nach Murmansk. Bei Kem, auf halber Strecke
etwa, wo die Bahnlinie die Küste berührt, steigt
man aus und läßt sich zur Anlegestelle bringen.
Auch dieses Provinznest an der Küste ist ein Ort mit
Vergangenheit: in den 20er- und 30er Jahren war hier "Kemperpunkt",
das berüchtigte Transitlager für die Häftlinge,
die auf die Solowki abgeschoben wurden. Heute ist Kem mit
60 000 Einwohnern eine typische Arbeiter- und Barackensiedlung
- weder Stadt noch Dorf, mit im Nirgendwo endenden, schlecht
gebauten Straßen, Betonklötzen für die Verwaltung,
einem Hotel, dessen Architekt wohl selbst nie in einem Hotel
gewohnt hat. Kurz, eine Ewigkeit gewordenes Provisorium mit
einem einmal riesigen Kombinat, in dem das Holz, das "Gold
Kareliens" verarbeitet wurde. Heute liegt es verlassen
da. Von dort gehen, unregelmäßig, aber immerhin
Fischkutter zum Archipel ab, den man nach zwei Stunden Überfahrt
erreicht. Früher befuhr diese Route der nach dem Obertschekisten
"Gleb Bokij" benannte Dampfer, in dessen Rumpf die
Häftlinge zusammengepfercht wurden, Dutzende von ihnen
erreichten das Ziel nicht lebend. Ihre Leichen wurden damals
einfach über Bord geworfen.
Solowki,
wo der Kutter nach zwei Stunden anlegt, ist ein Symbol der
russischen Kultur. Seine Geschichte zerfällt in zwei
Epochen: die Epoche einer sich über Jahrhunderte erstreckenden
Klosterkolonisation, bei der die Mönche und Einsiedler
des Solowetzki-Klosters eine herausragende Rolle spielten,
und die Zeit des Gulag, der Entweihung des Klosters, der Zerstörung
dessen, was von Generationen in frommem Eifer und entsagungsvoller
Arbeit aufgebaut wurde.
Im Jahre
1429 waren Mönche vom Festland übergesetzt und hatten
sich im Norden der Großen Solowetzki Insel niedergelassen.
Später gründeten sie in der "Bucht des Wohlergehens"
das erste Kloster. Es gehörte wie der ganze Archipel
zur Republik Novgorod, die unermeßliche Ländereien
im Norden besaß. Als Filipp Kolytschew 1558 Abt wurde
- später wurde er Metropolit von Moskau und wegen seiner
Opposition gegen den Massenterror Iwans des Schrecklichen
erdrosselt -, begann die Blütezeit des Klosters: es beginnen
großangelegte Steinbauten, versehen mit für die
Zeit und diese Breitengrade erstaunlichen Einrichtungen wie
Wasserleitung, Kanalsystem, und sogar Treibhäusern für
den Anbau von Gemüse und Obst. Später kommt eine
Baumschule hinzu. Die klösterliche Wirtschaft galt bis
ins 19. Jahrhundert, als dort auch ein Kraftwerk für
Stromerzeugung gebaut wird, als mustergültig. Die Arbeitsamkeit
der Mönche und das Wirtschaftswunder von Solowki waren
legendär im ganzen an Klöstern nicht armen Rußland.
Dank der vielen Pilger und reichen Spenden konnte es zahlreiche
Werkstätten und Handwerkerschulen einrichten, in die
die Bauernkinder aus dem ganzen Norden zur Lehre geschickt
wurden. Auch das Ensemble selbst, das heute unter UNESCO-Schutz
steht, war eine einzigartige Anlage: mit sechs Meter dicken
und zehn Meter hohen und einen Kilometer langen Mauern aus
großen Findlingen und Granit-Basalt-Blöcken wurde
es binnen zwölf Jahren am Ende des 16. Jahrhunderts errichtet.
Gegen "neumodische" Einflüsse abgeschottet
und traditionsbewußt, verstand sich das Kloster als
Bewahrer der wahren Gläubigkeit, von der es sich auch
während des großen kirchlichen Schismas im 17.
Jahrhundert nicht loszusagen bereit war. Sieben Jahre lang
dauerte der Aufstand der radikalen Altgläubigen gegen
den Zaren. Sieben Jahre dauerte der Aufstand der radikalen
Altgläubigen gegen den Zaren. Sieben Jahre lang wurde
es von den Moskauer Truppen belagert, denen es erst durch
Verrat gelang, das Kloster zu erobern und ein großes
Gemetzel zu veranstalten. Im Krimkrieg näherten sich
1855 drei britische Korvetten der Insel und beschossen das
Kloster, ohne allerdings großen Schaden anrichten zu
können; denn die von den Mönchen so geliebten und
verwöhnten Möwen, so lautet die Legende, hätten
so heftig "zurückgeschossen", daß die
Engländer unverrichteter Dinge wieder abzogen. Das Kloster
beherbergte bis in die 20er Jahre eine große Bibliothek
und eine der wertvollsten Ikonensammlungen. Das meiste wurde
in der Sowjetzeit zerstört, ausgeraubt, geplündert,
weniges wurde gerettet in den zentralen Museen von Moskau,
Leningrad und Archangels. Der furchtbarste Schlag, bei dem
die Schätze Solowkis samt Inventarliste vernichtet wurden,
war der wohl nicht zufällig ausgebrochene Brand vom 25.
Mai 1923.
Von den
Bolschewiki wurde das Kloster sicher nicht wegen seiner Schönheit
für das Straflager ausgewählt. Der Hauptgrund für
die Wahl ausgerechnet dieses Ortes war seine isolierte Lage
und die Härte des Klimas. Doch spielte seine geistige
Autorität, seine erzieherische Tradition unterschwellig
eine gewisse Rolle bei der Entscheidung, hier ein Lager neuen
Typs zu errichten. Es ging den übergeschnappten Erbauern
des Kommunismus auch darum, die alten Erziehungsmethoden durch
"fortschrittliche" proletarische Erziehungsmethoden
zu ersetzen. Als die Sowjetregierung 1922 den Archipel der
GPU übergab zur Internierung von Gefangenen aus den nordrussischen
Lagern von Cholmogory und Pertaminsk, wurden die dort noch
lebenden Mönche von der Insel vertrieben, viele wurden
erschossen, einige blieben bis Mitte der 20er Jahre und versorgten
die Lagerverwaltung mit Gemüse. Am 1. Juli 1923 wurden
die ersten 150 politischen Häftlinge nach Solowki eingeliefert,
das unter dem sowjetischen Kürzel SLON firmiert, was
soviel bedeutet wie "Solowetzki-Lager mit Besonderer
Bestimmung", im Russischen aber zugleich das Wort für
Elefant ist. Der harmlose Riese, der auch in den Blumenrabatten
am Lagereingang abgebildet war, wurde zum Emblem des Schreckens,
zumindest für die Lagerinsassen. Es war das erste Konzentrationslager
großen Stils, in dem die neuen Methoden der "Umerziehung
zum neuen Menschen" durch Liquidierung der alten Klassen
erprobt wurden - ein wahres Laboratorium des Todes. Solowki
wurde in den 20er Jahren buchstäblich zum Konzentrationslager
der alten, vorrevolutionären Gesellschaft. Hier wurden
alle "Ehemaligen" "konzentriert": Angehörige
aller Parteien von den Anarchisten bis zu den Monarchisten,
Offiziere der weißen Armeen, ehemalige Abgeordnete der
Duma, Kaufleute und Aristokraten, Gelehrte der Petersburger
religiös-philosophischen Gesellschaft, bekannte Schauspieler
und Journalisten, Geistliche aller Konfessionen, Emigranten,
die ihrem Heimweh nachgegeben hatten. Aber es fanden sich
auch schon andere, die unbotmäßig gewesen waren:
Überlebende des Matrosen-Aufstandes von Kronstadt und
der Bauernrevolten von Tambov sowie ehemalige Kommandeure
der Roten Armee. Hier lernten die politischen Häftlinge,
die ihre ersten Erfahrungen noch in zaristischen Gefängnissen
gemacht hatten, daß ihre Privilegien - Befreiung von
physischer Arbeit, Bezug von Zeitungen - nicht mehr viel galten,
und daß einst wirksame Kampfmethoden wie der Hungerstreik
auf die neuen Herren keinerlei Eindruck machten. Es war die
Einübung in eine Welt, in der Erniedrigung, Grausamkeit
und Willkür die einzigen Konstanten waren. Hier demonstrierten
Tschekisten wie Nogtev, Bokij oder Eichmans, wie man innerhalb
kürzester Zeit aus einmal selbstbewußten Bürgern
menschliche Wracks macht: mit ausgesuchten Foltern, die für
immer mit dem Namen von Solowki verbunden bleiben - der "steinerne
Sack", bei dem man in Nischen eingesperrt wurde, Sitzen
auf Stangen, das für den Herunterfallenden tödlich
sein konnte, nackt im Sommer den Mücken oder im Winter
im Schnee ausgesetzt zu werden. Von Sekirnaja Gora, dem Axtberg,
wurden Häftlinge an Baumstämme gefesselt, die Steiltreppe
hinabgestürzt.
1930 wurde
das Konzentrationslager in ein "Arbeitsbesserungslager"
überführt, was seinerzeit als große "Reform"
gepriesen wurde, in Wahrheit aber nur bedeutete, daß
Millionen von Menschen für die "Großbauten
des 1. Fünfjahrplans" herbeigeschafft werden mußten.
Die Arbeit, die vorher nur der Selbstversorgung des Lagers
diente - Torfstechen, Holzfällen, Fischerei, Ziegelei
und verschiedene Werkstätten - wurde nun ein Wirtschaftsfaktor,
mit dem das Budget von Gosplan rechnete. Der Funktionswandel
zeigt sich schon an der sprunghaften Vermehrung der Häftlingsbevölkerung
auf der Insel. 1923 waren 4 000 Menschen auf Solowki interniert,
1930 waren es schon 50 000. Erprobt wurde auch das neue System
der Herrschaft. Im Kreml von Solowki, dem Kern des Lagerareals,
residierte nur eine Handvoll Tschekisten, während die
Hauptarbeit der Bewachung, Bestrafung und Exekutierung von
privilegierten Häftlingen übernommen wurde, meist
Kriminellen. In der Solowki-Literatur wurde das "vorbildliche
Selbstverwaltung" genannt. Dazu gehörte auch die
Herausgabe der Zeitung "Die neuen Solowki", die
man sogar im Ausland abonnieren konnte, die "Solowetzker
Gesellschaft für Heimatkunde", ein Kabinett zur
Erforschung des Lagerjargons oder ein Lagertheater, das mit
Stars wie Boris Glubokowski vom Tairow-Theater Michael Lermontows
Stück "Die Maskerade" aufführte - der
Zeit entsprechend mit konstruktivistischem Bühnenbild.
Es gab nur wenige Punkte, wo mit so prominenten Häftlingen
wie dem Philosophen Alexander Meier, dem Historiker Nikolaj
Anziferow, dem jungen Literaturwissenschaftler Dmitri Lichatschow
und dem großen Gelehrten Pawel Florenskij soviel Gelehrsamkeit
und Bildung auf einem Punkt konzentriert war: ein wahres Konzentrationslager
des Geistes, an dessen Eingangstor nicht stand "Arbeit
macht frei", sondern "Laßt uns mit eiserner
Hand die Menschheit ihrem Glück entgegentreiben".
Nachrichten
über das, was auf Solowki geschah, kamen schon früh
in die Außenwelt. Sergej Malsagoff, dem die Flucht geglückt
war, publizierte schon 1925 in London sein Buch "An Island
Hell". Gewerkschafter, politische Parteien protestierten,
aus Moskau wurden mehrfach "Untersuchungskommissionen"
geschickt, so als hätte man in Moskau nicht gewußt,
was dort geschah. Um diese "antisowjetische" Propaganda
zu entkräften, wurde auch der berühmte, soeben aus
der Emigration in seine Heimat zurückgekehrte Maxim Gorki
im Juni 1929 nach Solowki entsandt. Er hatte die Möglichkeit
zu sehen - aber er sah nicht oder er wollte nicht sehen. Der
jugendliche Häftling, der die Gelegenheit hatte, mit
ihm zu sprechen, und der ihm "alles" berichtet hatte,
verschwand am Tag nach Gorkis Abreise von der Insel. Der große
Schriftsteller, der in seiner Jugend die Welt "auf dem
Grunde" so genau kennengelernt hatte, wußte der
Welt nichts anderes mitzuteilen als was er und seine Schriftsteller-Kollegen
drei Jahre später auch mitteilen werden, daß er
beeindruckt sei vom Enthusiasmus der neuen Menschen und von
den Erfolgen bei der "Umschmiedung des Menschenmaterials".
In den
30er Jahren wurde Solowki aus SLON in STON umbenannt. Das
Kürzel bezeichnet "Solowetzki-Sonder-Gefängnis",
aber ist auch das russische Wort für Seufzer und Stöhnen.
1939 wurde das Lager aufgelöst, nicht aus humanitären
Erwägungen, sondern weil es nicht weit von der finnischen
Grenze, also zu nah an der Front lag. Für die folgenden
Jahrzehnte zogen Marinekadetten ein und die Inseln blieben
Sperrgebiet, in dem man notdürftig die Spuren zu beseitigen
versuchte. Man hob die über die ganze Insel verstreuten
Massengräber aus und warf die Überreste ins Meer.
Der Kronzeuge - das Kloster - wurde während des Chrutschschowschen
Tauwetters zu einem Landeskunde-Museum, in dem nichts an den
Ort des Schreckens erinnern sollte. Aber die Tilgung blieb
unvollständig. Noch bis Anfang der 90er Jahre, bis zum
Beginn der Renovierung des Klosters, krönten verrostete
Sowjetsterne die Kuppeln der Solowetzker Kathedralen. Heute
sieht man noch doppelt vergitterte Fenster, in den Lagerbaracken
von einst sind die Ärmsten der Armen auf der Insel untergebracht,
auf einem der ehemaligen Lagerfriedhöfe ist ein Kreuz
angebracht worden.
Doch eine
Reise nach Solowki ist nicht nur eine Reise in die Anfänge
des GULag, sondern auch in die Wirren der nachsowjetischen
Zeit. Solowki ist wie jede Inselgesellschaft eine Miniaturausgabe
des großen nachsowjetischen Rußland. Wie im ganzen
Norden sind auch auf Solowki die Polarsubventionen der Zentrale
weggefallen, man muß jetzt lernen, sich selber durchzuschlagen.
Die Hälfte der ursprünglich 2 000 Einwohner hat
die Insel schon verlassen, noch möchten gehen. "Friedhof
der Hoffnungen" nennt Sergej Rubzow von der Inselverwaltung
Solowki. Dennoch zieht der Archipel Leute aus dem ganzen Land
an: Abenteurer und gescheiterte Existenzen, Romantiker und
Zivilisationskritiker, eine fluktuierende Elite, die sich
ständig neu bildet und wieder auflöst. Wir treffen
einen Moskauer Photographen, der sich vorgenommen hat, die
Topographie des Terrors zu dokumentieren; eine Musiklehrerin,
die es geschafft hat, eine ihrer Schülerin ans Moskauer
Konservatorium zu schicken; einen polnischen Journalisten,
der sich hier ein Haus gekauft hat und die Geheimnisse Rußlands
lüften möchte; einen Unternehmer und Allroundgenie,
der sich auch durch die phantastische Steuerlast nicht unterkriegen
läßt; Moskauer und Petersburger Studenten, die
in ihren Semesterferien in Baubrigaden das Kloster renovieren;
zwei junge Leute, die in Erwartung von Touristen und Pilger
ein privates Hotel eingerichtet haben, in dem man sich auch
wohlfühlt. Dort gibt es ein Handy, von dem aus man jederzeit
mit der Welt in Verbindung treten kann - auf einer Insel,
die sonst ganz von ihr abgeschnitten ist. Doch selbst auf
Solowki bewegt sich etwas: seit kurzem gibt es wieder ein
Kloster mit zwölf Mönchen. Die Glocken werden an
Festtagen wieder geläutet. Es kommen Pilger und einige
Touristen von weit her. Die Frage ist lediglich, ob diese
Minigesellschaft, in der jeder über jeden schlecht redet,
sich zu einer gemeinsamen Initiative findet. Solowkis Kapital
ist seine Schönheit und seine Geschichte. Es ist der
Tag denkbar, da Rußlands Touristen, die gegenwärtig
eher auf den Balearen und auf Zypern zu finden sind, wieder
nach Solowki zurückfinden werden. Hier können sie
etwas bestaunen, was es nur auf Solowki zu sehen gibt: die
Höhenflüge und die Abstürze des russischen
Geistes.
Karl Schlögel
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